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Die
Chronik des FC Neustadt (1911 – 1961)
Weisch
no?
(Begebenheiten aus dem Vereinsleben)
Alte
FCN´ler
So
war der Anfang Im Jahre 1911 wurde in Neustadt/Schwarzwald der Fußball-Club
gegründet. Die Hitze dieses Jahres mag die oft heißen Temperamente in
den Verein gelegt haben, denen er auf seinem bisherigen Lebensweg
ausgesetzt war. Aber die Ernte jenes Jahres war gut. Überall spricht man
mit Achtung von dem, was damals geboren und gewachsen ist.
Bis
zum Ende des Ersten Weltkrieges fehlen leider alle protokollarischen
Unterlagen. Der Club war bei Beginn des Krieges erst drei Jahre alt, sein
Ansehen und sein Inventar war jedenfalls nicht so wertvoll, als da8 sich
jemand berufen fühlte, es für die Nachwelt als wichtig aufzubewahren.
Die damaligen jungen Fußballspieler zogen fast ausnahmslos in den Krieg
und manch einer kam nicht mehr zurück. Aber wer die Anfange des Fußballsportes
in Neustadt mitmachte oder mithalf den Sport durch den Krieg in die
Zukunft zu tragen, der hat heute noch eine gute Erinnerung an jene Zeit
der unbeschwerten Jugend und deshalb wird dieser Abschnitt der Ruckschau
mehr ansprechen und Interesse finden, als der spätere chronologische
Ablauf der Vereinsgeschichte.
Die
soziale und wirtschaftliche Struktur der gesamten Bevölkerung hat
vorkriegszeitlich die Klassengegensatze viel scharfer in Erscheinung
treten lassen, als dies heute der Fall ist. Wer damals in Neustadt Fußball
spielte, konnte bestimmt nicht auf eine allzu große Achtung bei der
ausgeprägt bürgerlichen Welt rechnen. Und doch kam dieser Sport aus den
sogenannten ,,besseren Kreisen". An den Universitäten wurde Fußball
gespielt. So kam es, das ein ehemaliger verkrachter Student, der in der
Papierfabrik Hilfsarbeiter war, das Fußballspiel nach Neustadt brachte
und wohl auch als treibende Kraft zur Gründung des Clubs anzusehen ist.
Es war August Schatton. Er tänzelte und kickte lieber auf dem Sportplatz
als auf dem Holzplatz der Fabrik. Viele Jahre war er in den Reihen des
Vereins, auf vielen Fahrten und Festen. Es wäre unobjektiv und undankbar,
wollte man seinen Namen hier mit Absicht vergessen. Im Zweiten Weltkrieg
hat in Hüfingen sein Dasein geendet.
Aber
die Jugend und der neue Sport gingen unbeirrt in die Zukunft, hinein in fröhliche
und schlechte Tage. Der Anfang war schwer. Es ging auf und ab bis in die
heutige Zeit. So wie das Spiel selbst sich von Minute zu Minute anders, so
wechseln in der Vereinsgeschichte die Spieler, die Finanzen und der
Vorstand. Es ist ein ewiges Kommen und Gehen. Und davon soll (über eine
Strecke von 40 Jahren) berichtet werden.
Der
Pavillon beim Schützenhaus war die Geburtsstätte des FC Neustadt. Als
Geburtstag gilt der 30. Juli 1911. August Schatton hatte eine Anzahl
junger Leute um sich, die sich für den neuen Sport begeisterten und Pläne
schmiedeten. Als erste Anhänger nennt man den Sohn des Akzisers Kuch,
dann Josef Bertram von der Insel, Fritz Marx, Leopold Isele, Emil Isele
und Gustl Tröndle. Mannschaften mit je sechs Mann auf beiden Seiten waren
bei dem damaligen Spielermangel oft üblich. Später übernahm der kaufmännische
Angestellte Brenn, der Mann mit dem Vollbart und steifen Hut, die Leitung
des Clubs. Dieser brachte dann auch Alfred Radatt von Freiburg herauf.
Radatt kam aus einer Fußballfamilie, die mit sechs Brüdern allein eine
pfunds Mannschaft aufstellen konnte. Der sportliche Betrieb hat sich dann
auch lange Zeit stark mit den Freiburger Vereinen FFC, ,,Viktoria",
,,Germania", Sportclub, Spielvereinigung u. o. abgewickelt. 1912
stehen in der ersten Mannschaft: Adolf Benetz (Bademeister am Titisee),
Leopold Isele, Emil Isele, Stefan Glocker, Albert Willmann, Paul Schelb
(jetzt in Falkau), Johann Fix, Gustl Tröndle, H. Müller, Cöllesti Faton
(ein Italiener) und noch ein Unbekannter. 5:3 ging das Spiel gegen
,,Viktoria" verloren. Immerhin noch ein anständiges Resultat im Verhältnis
zu den 20 und mehr Verlusttoren gegen Saig, wo die Gebrüder Faller
spielten oder gegen Bonndorf, wo Lehrer Walch eine ganz große
internationale Kanone war. Die romanhaften Beine des Neustädter Torwartes
Jos. Frei waren ein beliebtes Schussziel.


Ein weinrotes Trikot
mit einem grünen diagonalen Streifen waren die ersten sichtbaren Zeichen
des jungen Vereins. In denselben Farben waren die Torstangen, die zu jedem
Wett- und Trainingsspiel auf- und abmontiert werden mussten, damit sie aus
lauter Begeisterung für den neuen Sport nicht zu einem Freudenfeuer
Verwendung fanden. Es waren schon große Idealisten! Wer würde das heute
noch machen, wo auch im Fußballsport allmächtige Starallüren Einzug
halten? Aus eigenen, mühsam aus der Fabrik erarbeiteten Groschen wurden Bälle
und die Trikots gekauft. Es gab keine Eintrittsgelder und keine edlen
Spender, aber es gab sportliche Kameradschaft, die allein befähigt ist,
daß ein sportlicher Verein auf gesunder Grundlage seinen eigentlichen
Zweck erfüllen kann. Das Fußballspiel ist nun einmal ein
Gesellschaftsspiel mit bestimmten internationalen Spielregeln. Mit diesen
,,Regeln" haben im neugegründeten FC Neustadt die ersten
Schwierigkeiten schon angefangen. Wer heute aktiv Fußball spielt, wird
wohl zu den Seltenheiten zählen, wenn er die ,,Regeln über das Fußballspiel"
als kleines Büchlein schon einmal gesehen und gelesen hat. Das Wissen um
den Sport ist heute Erbgut. Aber vor 40 und 50 Jahren hatte jeder
Schiedsrichter und jeder Spielführer die Spielregeln in der Tasche und
mit der Auslegung waren nicht immer alle einig. Heute zwar auch nicht,
aber nachgelesen wird nicht mehr wahrend dem Spiel. Zum Fußballsport gehört
auch ein geeigneter Platz. Die Maße waren in den Spielregeln in Länge
und Breite vorgeschrieben mit einer schönen Zeichnung der notwendigen
Markierungen. Für den jungen FC ein Traum und ein unlösbares Problem.
Kein Grundbesitzer war Mitglied oder Anhänger des Vereins. Auf dem Gelände
gegenüber der Güterhalle war der erste Fußballplatz. Schmal und kurz
und die Fensterscheiben verdächtig nahe. Es hat oft geklirrt, aber die
Scherben brachten kein Gluck, sondern Kosten und Unannehmlichkeiten. Der
Platz wurde auf die Riese verlegt, da gab es wieder Strafzettel wegen dem
Entfernen von Grenzsteinen, dann wurde gespielt bei der Schraubenfabrik,
hinter der Papierfabrik. Auch keine ideale Anlage, denn die Wutach war
neben dem Platz und der Ball schwamm oft munter davon. Im Schwärzenbach
wurde auch schon gespielt und auf dem Feld, wo heute die Gärtnerei Götz
liegt. Nirgends waren die Fußballer gern gesehene Gäste. Es war ein
,,Volk ohne Raum“. Der erste Weltkrieg konnte den Fußballsport nicht
mehr lahm legen. Die ersten aktiven Spieler waren wohl im Felde, aber aus
den früheren Schulbuben und Lehrlingen, die den Spielen 1911-1914
zusahen, wurden wieder Spieler. Die Realschule selbst hatte jeden Mittwoch
Nachmittag auf dem Eisweiher Fußballspiel als Schulfach. Ludwig Morat und
Adolf Happle waren meistens die gegenseitigen Spielführer und wählten
abwechselnd aus dem Schulermaterial ihre Mannschaft. Gelbe und rote
Armbinden waren die Erkennungszeichen. Diese Spiele waren interessanter
als Französisch oder Mathematik, da hat keiner geschlafen. Im zweiten
Kriegsjahr wurden die „Pfadfinder“ in das Leben gerufen, die auch
wieder lieber Fußball spielten, als Kriegspfade zu suchen. Da war es
Professor Emil Klein, der den jungen Menschen einen kompl. Sportdress mit
blauweißem Trikot, schwarzen Hosen und einen neuen Ball stiftete. Das war
eine stolze Sache. Auf einem Bild aus der damaligen Zeit sind die Spieler:
Egon Faller, Hubert Mogel, Ludwig Morat, Alfred Morat, Fritz Koeßler,
Adolf Happle, Ernst Glöckler, Karl Isele, Eugen Hämmerle und als
Schiedsrichter August Schatton. Die meisten davon nahm der Krieg mit sich
fort und am Ende war nicht mehr viel übrig. Aber Wettspiele wurden
trotzdem immer wieder ausgetragen. Meistens in Saig, Freiburg und oft in
Furtwangen auf der Rabenhöhe bei Schnee und Eis. Es lassen sich nicht
alle Spieler hier namentlich auffuhren. Und das soll niemand verübeln.
Nach
dem Ersten Weltkrieg:
Als
der Krieg zu Ende war und viele deutsche Soldaten durch die Strassen der
Stadt heimwärts marschierten, war mancher Fußballer nicht mehr bei den
Heimkehrern. Gefallen, verwundet oder gefangen war ein großer Teil der
deutschen Jugend. Wir wollen all jene, die der unglückselige Krieg uns
genommen hat, immer in dankbarer Erinnerung behalten. Bis Alfred Radatt
wieder kam, waren schon zahlreiche Fußballer auf dem Eisweiher und
wollten wieder einen Verein. Hier war es Johann Ebner, der die Leitung des
Clubs übernahm. Der ,,Schützen" wurde Vereinslokal und in einer
Sitzung vom 30. März 1919 wurde beschlossen, die blau-weißen Farben
beizubehalten. Die Trikots der Pfadfinder wurden übernommen. „Blau und
weiß] sind unsere Farben..." wurde begeisternd gesungen und sie sind
es geblieben bis auf den heutigen Tag und sollen es auch weiter bleiben
aus Tradition.
Das
gesellige Leben in dem Club wurde wieder sehr lebendig. Verständlicherweise
war nach dem Kriege alles lebenshungrig. Es sollte so manches nachgeholt
werden. Ein Tanzkurs wurde abgehalten mit Arthur Keller als Tanzlehrer.
Theater wurde gespielt mit Marmorgruppen, die abwechselnd rosa, grün,
blau und violett artbeleuchtet wurden. Und wer wollte die Schattenspiele
und Schattenbilder hinter dem dünnen Vorhang vergessen?
An
alle Hinterbliebenen des Ersten Weltkrieges wurde eine gute Gedenktafel
ausgehändigt, im Clublokal war eine große geschmackvolle Sammel-Urkunde.
Für die Kriegsgefangenen wurden Spenden gegeben. Um diese Zeit muss
Alfred Radatt zurückgekommen sein, denn sein Name erscheint wieder in den
Sitzungsberichten. Es wurde beschlossen, dass anstelle der bisherigen
freiwilligen Zuschauergebühren mindestens 20 Pfg. zu kassieren sind. Die
Platzfrage drängte zu einer Lösung und durch Verhandlungen mit
Stadtpfarrer Rinkenburger gelingt es, den Platz beim Cafe Wilde zu
erhalten. Endlich ein annehmbares Gelände. Das muss gefeiert werden durch
ein Sportfest, das auf den 26. Oktober 1919 geplant war. Zum ersten Male
standen Tore mit rückseitigem Drahte da und die ewigen Streitereien über
drin oder daneben hatten ein Ende. 3000 Festabzeichen wurden bestellt,
Pokale gekauft, Fahnenmasten aufgestellt; denn über 20 Vereine von nah
und fern hatten ihre Mannschaften angemeldet. Musikpodium und Bierstände
waren da, aber niemand kam! Außer Furtwangen mit zwei Mannschaften auf
einem Lastwagen. Zugsperre am Sonntag wegen Kohlenmangel. Die Gesichter
wurden lang und das Fest war aus. Die Schulden blieben.
| Vorstandschaft: |
Alfred Radatt, Johann Ebner, Eugen Pfefferle, Ernst Glöckler, Albert
Kirner, Jacob Rech |
| 1.
Mannschaft: |
Radatt, Blöckler,
Mogel, Faller, Happle, Weber, Gebhart, Triepel, Müller
Huber, Meier |
| 2.
Mannschaft: |
Cernie,
Müller, Ruf, Fritz, Keller, Müller, Fuchs, Bösinger, Tröndle,
Ebner, Glocker |
Die
sportlichen Umwälzungen griffen damals leider auch in die Sportvereine.
Es wurde ein Sportclub gegründet und auch einen Fußball-Club ,,Phönix"
hat es einmal gegeben. Der Spielerwechsel hin und her setzte ein. Es waren
nicht immer die Besten, die dauernd wanderten. Auch heute noch nicht. Für
den FC Neustadt war das eine gesunde Blutreinigung, denn erst jetzt
beginnt der Aufstieg. Am Ende des Jahres 1920 hatte der Verein 336
eingeschriebene Mitglieder. Die Leichtathletik wurde sehr gepflegt mit
Kugelstoßen, Speerwerfen, Weitsprung, Stafettenlauf, Langlauf, Fußballweitstoß
und so fort. Dr. W. Stahl wurde ein eifriger Förderer des Vereins und mit
ihm noch viele andere. Kronenwirt Karl Schillinger stand noch einmal ins
Tor und verlor. Im Frühjahr 1920 tauchte der Gedanke der Vereinigung
aller sporttreibenden Vereine in Neustadt auf. Als Vorsitzender der
Gemeinschaft war Realschuldirektor Ganter tätig. Aber nicht lange. Jetzt
begannen auch die regulären Verbandsspiele wieder. Adolf Happle war
Spielführer und hat in diesem Jahr vierzehn Spiele um den Aufstieg in die
A-Klasse mit seiner Mannschaft durchgeführt. Auf den Sportplatz beim Cafe
Wilde erhielten nun mehrere Vereine eine Spielberechtigung, so dass dieser
Zustand auf die Dauer unhaltbar war. Durch Pacht wurde ein geeignetes
anschließendes Feld zu einer schönen geräumigen Anlage hergerichtet,
auf dem der FCN nun unabhängig war. Die weggelaufenen Spieler wollten
wieder kommen, was aber vielfach aus sportlichen Reinlichkeitsgründen
abgelehnt wurde.

Spiel FC Neustadt gegen
eine Freiburger Mannschaft im Jahre 1920

Das
Jahr 1921, mit dem 10jährigen Stiftungsfest, kann jetzt noch als Höhepunkt
des Vereinslebens gelten. Hier kommt ein neuer Mann nach Neustadt und zur
Mitarbeit im FC: Wilhelm Menges.
Mit
einem großen Eifer hat er dem Fußballsport in Neustadt zu einem bisher
ungeahnten Aufstieg verholfen. Achtung und Beliebtheit genoss er überall,
auch Vertrauen bei den aktiven Spielern. Doch war sein Wirken leider nur
allzu kurz. In den eifrigsten Arbeiten für das 10jährige Stiftungsfest
wurde Wilhelm Menges durch einen plötzlichen Tod von dieser Welt
abberufen, tief betrauert von seinen Freunden, die die Verpflichtung übernahmen,
sein Grab auf dem hiesigen Friedhof zu pflegen. Trauerflor legten die
aktiven Spieler ihm zu Ehren bei den kommenden Wettkämpfen an. Für den
Verstorbenen kam sein Freund Bankvorstand W. Fischer in die
Vereinsleitung. Die Zahl der Sitzungen vor dem auf den 19. Juni 1921
geplanten Stiftungsfest war recht groß. Auch das Geld wurde größer, die
Kaufkraft kleiner, die Schwierigkeiten nahmen zu. Aber trotzdem wurde das
Fest glänzend aufgezogen mit einem beneidenswerten Optimismus des
1.Vorstandes Radatt, der immer und für alles einen Ausweg fand. Hier
zeigte sich sein einmaliges Vereinsgenie, wie es selten einem Menschen
gegeben ist.
Am
Sonntag vor dem Fest war Begrüßungsbankett. Alle Behördenvorstände und
befreundeten Vereine brachten die Glückwünsche, bis spät in die Nacht.
Am anderen Tag war eine Festesfreude wie noch nie. Um 5 Uhr früh krachten
die Böller und schon um halb 7 Uhr begannen die ersten Fußballturniere
und leichtathletischen Wettkämpfe. Die Stadt prangte im Flaggenschmuck,
viele Festdamen belebten die Straßen und auf dem Rathausplatz war
Promenadekonzert. In der Aufmachung war der Festzug ein Glanzstück jener
Zeit. Bis spät in die Nachmittagsstunden dauerten die Ausscheidungskämpfe.
Die Preisverteilung nahm der 2. Vorstand August Armbruster beim Cafe Wilde
vor. Zahlreich und wertvoll waren die Preise, fast alle gingen für
hervorragende Leistungen nach auswärts zu alten wohlbekannten Vereinen.
Abends zeigten im Neustädter Hof die Athleten noch ihr Können, dabei
ernteten der Gfellbauer von Schollach und der Blessingbauer großen
Beifall. An diesem Abend wurde August SträßIer Ehrenmitglied des FCN.
Seit Anfang war er einer der wenigen eifrigen Förderer des Vereins und
hat aus mancher finanzieller Not geholfen. Bertin Schwörer hat in einer würdigen
und feierlichen Art dem unermüdlichen Vereinsvorstand Alfred Radatt den
Dank mit einer Ehrentafel abgestattet. Urkunden als verdiente Fußballer
erhielten: Albert Glocker, Stefan Glocker, Albert Willmann, Franz Huber,
Albert Kirner, Anton Isele, Emil Isele, Egon Steimer. Eine gewaltige
Arbeitslast hatte der Schriftführer Fritz Buhler hinter sich. Auch die
finanziellen Angelegenheiten gingen in Ordnung. An Einnahmen waren RM
9000.- zu verzeichnen.
| Vorstandschaft
1921: |
Alfred Radatt, August Armbruster, F. Burkhart, Fritz Bühler, |
| Beisitzer: |
Dr.
Stahl, v. Lojewski, Karl Schillinger, Leo Wilde, A. Sichler, A.
Lemperle |
| Spielf.
1. Mannschaft: |
Adolf
Happle |
| Spielf.
2. Mannschaft: |
Otto
Janz |
| Spielf.
3. Mannschaft: |
Franz
Rendler |
| 1.
Junioren: |
Karl
Schirmayer |
Mit der stetig
wachsenden Inflation wurden die finanziellen Sorgen und Schwierigkeiten
immer größer. Der Platz kostete 800.- Mark Miete, täglich stiegen die
Eisenbahntarife. Bälle waren kaum zu erhalten. Fr. Quennet als Zeugwart
hatte viel und undankbare Arbeit. Die Bälle mit Außennaht waren für
Kopfbälle nicht sonderlich angenehm. In diese teuere Zeit fiel der
Endkampf um die Gaumeisterschaft in Friedlingen am 22. April 1922 zwischen
V.f.B. Waldshut und Neustadt. Der Sieger kam in die A-Klasse, das war ein
lang erstrebtes Ziel der 1. Mannschaft. Aber Neustadt verlor 4 :2. Durch
Neueinteilung der Spielbezirke stieg dann Neustadt aber doch auf.
Infolge
Wegzugs des bisherigen guten Schriftführers Fritz Buhler wurde der Posten
mit Eugen Pfefferle besetzt. Das Jahr 1922 war insofern noch wichtig, als
der Bau eines kleinen Clubhauses beschlossen wurde. Die Finanzierung
geschah auf verschiedene Weise und zwar durch eigene Arbeit, durch
Lotterie, durch Anteilscheine. Die beste Art von allen blieb die
Inflation. Das Clubhäuschen ging 1945 beim Einmarsch der Franzosen in
Flammen auf. Wie gewonnen, so zerronnen! Im Mai 1922 wurde Paul Kocher
Spielführer der 1.Mannschaft, der mit Ernst Mauch seine Spieler in einem
strengen sportlichen Geist auf dem Platz zu sehen wünschte. Doch schon im
Herbst schied er leider infolge Wegzug wieder aus. An seine Stelle kam
Franz Huber und an aktiven Spielern waren um jene Zeit weiter vorhanden
Max Mößner, Heinrich Wetzstein, Rene Bölle, Willi Stahl, Ad. Dengler,
Emil Maier und die Gebrüder Faller von Saig. Im Frühjahr 1924 wurde
Alfred Radatt zum ersten Male amtsmüde als Vorstand. Hauptlehrer Grimm
sollte Vorstand werden, aber er lehnte ab und Radatt blieb in seinem
gewohnten Revier. Doch am Anfang des folgenden Jahres kam doch eine neue
Vereinsleitung mit Max Mößner, Karl Spiegelhalder, August Armbruster,
Ad. Happle, Eugen Pfefferle, F. Kempf, Fred Schalk, Otto Gebhart und Leo
Wilde. Außer dass eine Hockeymannschaft gegründet werden soll und ein
Sieben-Hasenessen stattfand, hat der Schriftführer Aufzeichnungen über
das ganze Jahr keine hinterlassen. Ernst Maier als Spielführer, bestritt
mit seiner Mannschaft 32 Spiele mit gutem Erfolg.
In
der Generalversammlung vom 3. März 1926 wurde Josef Steinhart 1.Vorstand
des Vereins die übrigen Vorstandsmitglieder blieben im wesentlichen im
Amte. Das Jahr war sehr arbeits- und erfolgreich. 28 Spiele wurden
ausgetragen, davon gingen nur drei verloren. Zum 15jährigen Bestehen war
in der Krone ein Unterhaltungsabend, wenig später wurde das Lustspiel
,,Das weiße Rössel“ aufgeführt und durch Josef Schalk zum
wiederholten Male zu einem großen Erfolg gebracht. Auch in das folgende
Jahr ging der Club mit der gleichen Vorstandschaft, als Schriftführer
erscheint Pius Gutmann. Aber als Spieler in der 1.Mannschaft finden sich
neue Namen. Die Fußballfamilie Happle war da, dann spielten Heugel,
Kesselring, Aigeltinger, Maier, Janz, Wehrle, Bannholzer, Keller Ferdi,
Thoma Th. und Beckert Franz. Eine Prachtmannschaft, die manchen Sieg
errang. Auch Theater wurde wieder gespielt und zwar „Die
Regimentstochter“. 1928 und 1929 war wieder eine neue Vorstandschaft da
mit Ernst Glöckler, Hermann Zurn, Eugen Geisinger, Ad. Happle, Max Mößner,
Gottfried Hall, Alfred Radatt und Karl Schillinger. Die Vereinstätigkeit
wurde mehr auf den sportlichen Teil verlegt. Leider fehlt bei den Akten
der Spielbericht. Auch die Finanzen werden durch Eugen Geisinger gut in
Ordnung gehalten. Nach zwei weiteren Jahren wurde die Leitung des Clubs an
L. Hornschuh weitergegeben und dann sind bis 1932 keine Aufzeichnungen im
Protokollbuch mehr gemacht worden. Ein Lob für den damaligen Schriftführer
kann nicht gegeben werden. In das Jahr 1931 fällt der Tod jenes Mannes,
der aus der Geschichte des Fußball-Club Neustadt nicht wegzudenken ist.
Alfred Radatt verunglückte mit dem Motorrad zwischen Titisee und Hölzlebruck
und seine Freunde können ihm nur noch am offenen Grabe die Ehre der
Trauer mit tiefem Schmerze entgegenbringen. Mit 39 Jahren hat ein Leben
einen tragischen Abschluss gefunden, das in unzahlbaren Stunden sich
uneigennützig in den Dienst der Öffentlichkeit stellte und seine besten
Jahre dem Sport und vor allen Dingen dem FC Neustadt widmete. Aus kleinen
und recht beschwerlichen Anfängen hat er den Fußball-Club bald nach der
Gründung auf den Weg des Aufstieges gebracht. Sportliches Können und
kameradschaftlicher Geist haben ihn besonders ausgezeichnet. Er kann und
wird von allen Sportlern, die in seinen Lebenskreis traten, nicht
vergessen werden.
In
einer am 18. Januar 1932 abgehaltenen Generalversammlung wurde Kaufmann
Emil Distel Vereinsvorstand und Wilhelm Hönig zweiter. Ferner erscheinen
die altbewahrten Mitglieder Armbruster, Zürn, Happle, Kasper, Wetzstein
wieder. Von jetzt an nimmt auch die zweite Mannschaft an den
Verbandsspielen teil. Das Jahr 1933 brachte die
"Gleichschaltungsversammlung“. Die bisherigen Vorstandsmitglieder
konnten im Amte bleiben, aber wenig später gab es doch einschneidende Änderungen.
Wilhelm Hönig übernahm in einer kritischen Situation die Leitung mit
einem großen fußballtechnischen Können und als Mitarbeiter waren dabei
Max Mößner, K. Heini, W. Stripp und Pius Gutmann.
Der
Weg zur Meisterschaft
Von
diesem Zeitpunkt ab lag die Vereinsleitung mit Wilhelm Hönig an der
Spitze in guten bewahrten Händen. Hermann Reich war Trainingsleiter und
es wurde großer Wert auf einen soliden Sportbetrieb gelegt. Mit
peinlicher Genauigkeit wurden die Mannschaften aufgestellt und in den fast
wöchentlich stattfindenden Sitzungen wurde über die Spielart der
absolvierten Wettkämpfe diskutiert. Es wurde eine fruchtbare Arbeit, die
schließlich zu einem schönen Erfolg führte. Aus beruflicher
Veranlassung gab nach 2 Jahren Arbeit der Schriftführer W. Stripp sein
Amt ab, das von K. Heini übernommen wurde. Im Jahre 1935 errang die
Jugend-Mannschaft zum ersten Male die Schwarzwald-Meisterschaft. Diese
Jungens haben eine ganz respektable Leistung vollbracht. Kein Gegner
konnte ihnen einen Punkt abjagen, Überall haben sie die Farben der Heimat
würdig vertreten. Das Entscheidungsspiel in Donaueschingen endete 1 :O für
Neustadt. Die Spieler wurden unter Spielführer Wolber mit Dosch, Weber, Götz,
Schlaier, Fechti, Fath, Doser, Kech, Probst und Kirnberger in die
Meisterschaftskämpfe geführt. Manche von diesen jungen Sportlern sind
mit der Zeit in die erste Mannschaft aufgerückt.
In
diese Zeit fallt auch eine der besten Berichterstattungen über die Spiele
des FCN. Mit objektiver Sachlichkeit und solider Kenntnis der Fußballtechnik
schilderte Wilhelm Hönig die Spiele, weckte dadurch das Interesse am
Sport und vermehrte die Zuschauer zu beträchtlicher Zahl. Mit Spielführer
Alfred Schalk hält die 1. Mannschaft gut zusammen. Aus der Fußballfamilie
Scherer stehen vier Brüder auf dem Spielfeld, dazu Alb. Lay, Johann
Dobler, Ed. Ritter, Anton Geisinger, Wiedemann, Albert Kech. Als
Vorsitzender des Spielausschusses war H. Wetzstein im Amt. Damit reifte
ohne Zweifel die beste sportliche Höchstleistung des Vereins heran. Alle
Mannschaften waren auf einem hervorragenden spielerischen Stand. Um so
befremdender muss es erscheinen, dass für die angesetzten und notwendigen
Spielerversammlungen und Sitzungen bei den aktiven Sportlern so gut wie
gar kein Interesse vorhanden war. Die Vereinsleitung hat darüber manches
Klagelied ertönen lassen, aber es half nichts. Die Jugend war auf dem
Sportplatz und am Tisch wurden Probleme und Systeme ausgeklügelt. Das
Spieljahr 1935/36 war dennoch das schönste und erfolgreichste.

Schwarzwaldmeister
im Jahre 1936
Nach dem Sieg über
Furtwangen mit 4:2 und gegen Hornberg mit 3 :1 wurde die 1. Mannschaft
1936 Schwarzwaldfußballmeister. Annähernd 100 Personen begleiteten die
1. Mannschaft zum Entscheidungsspiel nach Hornberg. So hat sich dann doch
aus den kleinsten und bescheidensten Anfangen heraus der FC Neustadt durch
viele beschwerliche Jahre zu sportlichen Ehren durchgekämpft und hat sich
eine große treue Anhängerschaft erworben. Die entsprechende
Meisterschaftsfeier fand am 2. April 1936 im "Bären“ statt.
Bald
darauf fand die fällige Generalversammlung statt, die für 1936
folgende Kräfte in die Verwaltung des Clubs bestellte:
| 1.
Vorsitzender: |
W.
Honig |
| 2.
Vorsitzender: |
Hermann
Zürn
|
| Spielf.
1. Mannschaft: |
Alfred
Schalk
|
| Spielf.
2. Mannschaft: |
K.
Löffler
|
| Spielf.
Jugend |
K.
Wolber
|
| Ferner: |
Piu
Gutmann, Max Mößner, K. Heini, E. Hermann, J. Fuchs, Josef
Kasper, Hermann Reich, Adolf Happle, H. Wetzstein |
Das
Jahr 1937 sieht die 1. Mannschaft als Neuling in der Bezirksklasse, konnte
dabei in schweren Spielen bei zehn Tabellenvereinen den 6. Platz erringen.
Singen, Stockach, Konstanz, Villingen waren immer beachtliche Gegner.
Einen ausführlichen Bericht über die großen Verbandsspiele hat Alfred
Schalk im Protokollbuch wiedergegeben.
Auch
die Generalversammlung am 22. Mai 1937 brachte Wilhelm Hönig wieder das
einstimmige Vertrauen, schon als Dank für seine mustergültige Arbeit.
Als Beisitzer kamen neu hinzu Willi Lessle, Kommissar Kech, Karl
Schillinger, Eugen Lips und Otto Kaiser. Leider sollte das Jahr 1937 in
spielerischer Hinsicht nicht zu den besten zählen. Durch Wegzug,
Einberufungen und andere Umstände fiel die 1.Mannschaft ziemlich
auseinander. Gleichlaufend stiegen damit auch wieder die finanziellen
Schwierigkeiten. Auch das Jahr 1938 brachte keinen rechten Auftrieb mehr.
Sitzung folgte auf Sitzung und nur mit aller Mühe konnten die
Verbandsspiele absolviert werden. Heute sieht man klarer über die
damaligen allgemeinen Verhältnisse. Das Interesse der Jugend wurde
anderen Zwecken dienstbar gemacht und anderen Zielen zugelenkt. Immer näher
kam der Krieg und das Vereinsleben hörte auf. Der Fußballplatz verwaiste
und wurde ein Kartoffelacker. Unsere Sportler kämpften gegen den größten
Gegner ihres Lebens - mit dem Tod. Viele kamen nicht wieder von dem
gigantischen Kampfplatz. Aber keiner soll vergessen sein von jener großen
Zahl, die ehrenvoll im Endkampf um Deutschlands Niederlage standen und
dabei Leben und Gesundheit opferten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Die
Chronik befasst sich mit Absicht über die Jahre noch dem furchtbaren
Krieg nur knapp. Der Abstand für eine geschichtliche Darstellung ist noch
zu kurz und die Erinnerung an die Erlebnisse in persönlicher und
sportlicher Hinsicht ist noch zu deutlich. Aber Dank gebührt doch all den
Männern, die aus dem Chaos wieder den Glauben an ideale Werte fanden und
den Sportbetrieb allmählich wieder in Gang brachten. Mit dem 7. Juli 1938
schließt Alfred Schalk im Protokollbuch seine guten Aufzeichnungen und
fast auf den Tag genau erscheint nach acht Jahren erst wieder ein
Lebensreichen des Clubs.
Nach
Beendigung des Krieges mussten Traditionen untergehen. In der sportlichen
Wiedergeburt kam in der Zusammenfassung aller Vereine die Sportvereinigung
Neustadt zustande mit einzelnen Abteilungen für Turnen, Fußball, Tennis
und Skilauf. Präsident wurde Bahnvorstand E. Klotz, die verschiedenen
Sparten erhielten Abteilungsleiter. Es war ein napoleonisches Gebilde, das
zusammenblieb so lange es musste. Die Gedanken zur Selbstständigkeit
kamen aber nicht deshalb auf, weil es unter den Abteilungen Differenzen
gegeben hatte, sondern weil der Aufbau der einzelnen Organisationen in die
Breite ging mit verschiedenen Interessen. Josef Kasper hat in den Wirren
dieser Zeit den Mut gehabt, die Leitung der Abteilung Fußball zu übernehmen.
Und wieder sehen wir die alten, so oft bewahrten Fallballfreunde ihm zur
Seite. Dazu kamen Straub, Hönig, Wiegelmann, Kech, Grether, Kaufmann und
Herrmann. Es war eine mühsame Arbeit, den Sportbetrieb aus dem Nichts
wieder in Gang zu bringen, es fanden mehr Sitzungen als Spiele statt. Erst
die Versammlung am 21. Februar 1948 gab dem ganzen wieder einen Halt. An
dieser Versammlung nahmen 74 Fußballfreunde teil.
Durch
die Hungerjahre blieb der frühere Platz noch Kartoffelacker. Der jetzige
Sportplatz hinter den Bauvereinshäusern wurde durch eigene Arbeit spielfähig
gemacht, übrigens ein Platz, der seiner stadtnahen Lage und seiner schönen
Ausmaße wegen ideal genannt werden darf. Leider fehlen dabei
Umkleidehaus, Sitzgelegenheiten und Einzäunung. Die endgültige und für
alle sporttreibenden Vereine befriedigende Lösung der Platzfrage wird künftig
nicht leicht sein und in absehbarer Zeit auch nicht erfolgen. In der
obengenannten Versammlung wurde der Verwaltungsapparat in allen nur
denkbaren Posten besetzt. Die eigentliche Führung der Abteilung hatten
Kasper, Wiegelmann, Weckesser, Straub, Schalk und Heini. Im Spielausschuss
waren Hönig, Wetzstein, Straub und Gutmann, Jugendleiter war Kaufmann und
Odenthal, Trainingsleiter wurde Schäfer und Kiefer, Ballwart Isele und
Wolber. Mit dieser Besetzung lag alles in besten Händen, denen die
Schwierigkeiten des Wiederaufbaues viel Arbeit abverlangte. Höhepunkte in
sportlicher Hinsicht konnten nicht erwartet werden, aber das war in der
ganzen Sportbewegung zu beobachten. Die Verbandsspiele waren dazu angetan,
die Mannschaften zu sondieren und allmählich wieder mit jenen Gegnern zu
paaren, zu denen sie nach dem jeweiligen Können auch gehörten. Die 1.
Mannschaft wuchs über die kreiseigenen Vereine hinaus, denen die 2.
Mannschaft ein achtbarer Gegner wurde. Auch die Jugendspiele waren
erfolgreich. An aktivem Nachwuchs war kein Mangel.
Es
konnten bereits namhafte Vereine der oberen Klassen zu
Freundschaftsspielen verpflichtet werden, und zwar der VfB Neustadt
(Weinstrasse), FC Tübingen, FC Bonn, die mit ihren kompletten
Mannschaften antraten. Aus diesen Spielen konnte unsere 1.Mannschaft viel
lernen und ehrenvoll abschneiden.
Am
5. Februar 1950 war in Neustadt eine Vereinsführertagung, auf der alle
Vereine (mit Ausnahme von Titisee) vertreten waren und auf der der
Bezirksobmann Huber aus Villingen die Wünsche und Klagen in reicher Fülle
entgegennehmen durfte.
Zu
den bestehenden Mannschaften hat sich dann auch wieder erfreulicherweise
eine Ah-Mannschaft gesellt, die sportlich schöne Leistungen zu zeigen
vermag und zudem auch die kameradschaftliche Seite sehr pflegt. Zu
Freundschaftsspielen wurden Gegner mit bekannten Namen verpflichtet,
darunter auch Schweizer Vereine.
Bevor
es möglich ist, den Gang der Fußballgeschichte weiter zu tragen, ist es
Pflicht, an Alfred Schalk zu denken, der aus dem Kriege mit erheblichen
Verwundungen und Schaden an seiner Gesundheit in den Kreis seiner
Kameraden zurückkehrte. Die Liebe und Treue zum Fußballsport hat ihn nie
verlassen und noch einmal steht er mit den Resten seiner übriggebliebenen
Meisterschaftself im Tor, um der Jugend ein Beispiel sportlicher Haltung
zu geben. Doch sein Schicksal war der Tod in jungen Jahren. Am 14.
November 1950 starb Alfred Schalk im städtischen Krankenhaus und seine
Kameraden mussten am Grabe mit schwerem Herzen von ihrem ehemaligen Spielführer
und Schriftführer Abschied nehmen in dem Bewusstsein, dass ein wertvoller
Mensch aus ihren Reihen geschieden ist. Alfred Schalk wird in der
Geschichte des FC Neustadt immer zu denen gehören, die in Ehren gehalten
werden.
Die
nimmermüde Zeit heilt nicht nur Wunden, sondern sie hat aus der
Sportvereinigung Neustadt auch wieder einen selbständigen Turnverein, Fußballclub,
einen Tennis-Club und einen Ski-Club werden lassen. Das war im Jahre 1950,
also fünf Jahre nach Kriegsende. Als 1. Vorsitzender wurde der bisherige
Präsident der Sportvereinigung E. Klotz gewählt, als 2. Vorsitzender
Josef Kasper und als Spielausschussvorsitzender Wilhelm Hönig. Der alte
Name FCN mit den alten blau-weißen Farben war wieder da. Ehrenvoll wurde
er hinüber gerettet aus einer beschwerlichen Anfangszeit, durch Jahre
furchtbarer Not in eine hoffentlich gute Zukunft.
Zur
700-Jahrfeier der Stadt Neustadt hatte der FC Neustadt Gäste aus Bern,
die eine Jodlergruppe mitbrachten, welche im Festzug in ihrer heimatlichen
Tracht aufmarschierte und begeisterten Beifall einheimste.
Das
Jahr 1950/51 brachte für alle aktiven Spieler großen Sportbetrieb. Die
1. Mannschaft mit Sauer, Fröse, Jablonowski, Schaufler, Kech, Kiefer,
Grether, Schäfer, Schneider, Spiegelhalder, Lang, Kasper, Tritschler,
Dillmann, Rombach und Tiede standen in der Amateurliga in schweren Kämpfen
und konnten einen annehmbaren Tabellenplatz behaupten.
Einen
schöneren Ausblick in die Zukunft konnte der FCN in seinem Jubiläumsjahr
nicht haben, als die Tatsache, dass die Jugendmannschaft Kreismeister für
das Jahr 1951 geworden ist. Im Entscheidungsspiel gegen Löffingen haben
die Jugendlichen Blank, Egner, Beha, Rihm, Stritt, Möbus, Keller,
Schneider, Ficht, Kiefer und Preis den Meistertitel erkämpft und damit
ein besonderes Lob verdient.
Auch
die 1. Mannschaft hat zu der 40jährigen Geburtsfeier nach einen schönen
spielerischen Erfolg auf den Gabentisch des Clubs zu legen. Bei dem am 15.
Juli 1951 in St. Blasien stattgefundenen Sportwerbetag kam die
1.Mannschaft in den Besitz des wertvollen Wanderpokals. Pokalverteidiger
war der FC Tiengen und am Tournier beteiligten sich neben Neustadt noch
der FC Blumberg und SV St. Blasien. Vierzehn Tage später fand in Mönchweiler ein Pokalturnier statt, bei welchem die 1. Mannschaft als
dritter Sieger geehrt wurde.
Die
gespannte finanzielle Lage des Vereins brachte viele Sorgen und der
Verbleib der ersten Mannschaft in der Amateurliga musste ernstlich beraten
werden, was in einer mit 50 Personen besuchten Versammlung am 10. August
1951 im ,,Rössle“ geschah. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Termin
für die fällige Generalversammlung auf den 17. August 1951 festgelegt.
Nach mehr als fünf Jahren erfolgreicher Tätigkeit in der 1946 ins Leben
gerufenen Sportvereinigung Neustadt und später des wieder gegründeten Fußball-Clubs
trat Reichsbahnoberinspektor E. Klotz aus gesundheitlichen Gründen leider
von seinem Vorstandsposten zurück.
In
der durch Verhandlungen gut vorbereiteten Generalversammlung wurde im
Zeichen sportlicher Kameradschaft Kreisoberinspektor Albrecht zum 1.
Vorsitzenden des Vereins gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder
blieben in der bisherigen Besetzung erfreulicherweise in den Ämtern, und
zwar Josef Kasper als 2. Vorsitzender, Grether als Schriftführer,
Kassierer blieb Straub, Spielausschussvorsitzender wiederum Hönig und
sein bewährter Mitarbeiter Erich Hermann. In den Beirat kamen Klotz,
Armbruster, Spiegelhalder, Schaufler, Lessle, Lay, Glöckler und Backes.
Somit
begann wieder ein neues Jahr in der Geschichte des Vereins. Wenige Tage später
wählten die Mannschaften die Spielführer und einstimmig durfte Rudi
Kiefer das Vertrauen der ersten Mannschaft entgegennehmen.

Der
Spielbetrieb wurde im Jahre 1951 noch außerordentlich lebhaft, auch das
gesellige Beisammensein nahm einen Aufschwung. So kamen die alten
Sportfreunde ,,Old Boys“ aus Basel zu der AH zu einem Freundschaftsspiel
und der Unterhaltungsabend im Hotel ,,Adler Post“ brachte für die
vielen Teilnehmer reichlich Freude. Die ,,Alten Herren“ hatten in dieser
Zeit einen guten Stamm zuverlässiger Spieler in Mösch, Klotz jun.,
Wolber, Limberger, Scherer II, Thoma, Federer, Doser, Scherer I, Hör und
Isele, denen Pius Gutmann ein eifriger Betreuer war.
Unter
der neuen Vereinsführung wurde das Problem einer zweckmäßigen
Sportanlage energisch zu einer Lösung getrieben. Bald 30 Jahre wurde
dieses Thema immer wieder aufgerollt und kam nie zu einem befriedigenden
Abschluss. Es wurden für ein großes Stadion Platze ausgesucht und der
Stadtrat suchte nach Geld. Aber es blieb beim guten Willen und bei den
bisherigen Sportplätzen.
Im
Oktober 1951 gab überraschend der Schriftführer Grether sein Amt ab und
aushilfsweise führte E. Glöckler diese Geschäfte weiter. Das Geschäftsjahr
1951 war überhaupt reich an dramatischen Vorgängen. Der 2. Vorsitzende
Kasper schied aus und mit anderen Vorstandsmitgliedern kündige auch der
1. Vorsitzende Albrecht seinen Rücktritt an.
Mit
einer bedauerlichen Krise ging es dann am 26. Juli 1952 in die
Generalversammlung. Es war nicht möglich, in dieser Versammlung die vollzählig
zurückgetretene Vorstandschaft neu zu konstituieren. Schließlich wurde
ein Verwaltungsausschuss gewählt, dem die Mitglieder Dobler, Klotz jun.,
Isele und Scherer Angehörten. In dieser bedenklich ausschauenden
Verwaltungskrise wurde der FC Neustadt in Lenzkirch Pokalsieger. Der
Verwaltungsausschuss ging ernstlich an seine Arbeit in dem Bewusstsein,
dass der Verein schon manchen Sturm überlebt hat und auch den gegenwärtigen
fußballfreudig bezwingen wird.
Schon
am 9. August 1952 fand im Gasthaus zum ,,Bären" die außerordentliche
Generalversammlung statt. Die alten Fußballkameraden standen in der
Stunde der Not wieder zur Verfügung.
Mit
erstaunlicher Mehrheit wurden gewählt:
| 1.
Vorsitzender: |
Emil
Klotz |
| 2.
Vorsitzender: |
Josef
Kasper |
| Schriftführer: |
Ernst
Glöckler |
| Hauptkassierer: |
Federer |
| Spielausschuß: |
Isele,
Hermann und Scherer |
| Judendleiter: |
Dobler
Max |
Diese
Vorstandschaft wurde vervollständigt mit Hör als stellvertr. Schriftführer,
durch die Unterkassierer und durch die Beiräte Armbruster, Lay, Albrecht,
Schaufler, Moder, Lessle, Spiegelhalder und Mößner.
Der
Spielbetrieb für alle Mannschaften lief wieder auf vollen Touren. Spielführer
der 1. Mannschaft wurde Adolf Beha, für die 2. Mannschaft Willmann, bei
der Jugend Keller und die AH wählte Doser zum Kapitän. Das vom 2.
Schriftführer gut geführte Protokollbuch berichtet von einer großen
Zahl durchgeführter Spiele. In diesem Vereinsjahr wurde am 10. April 1953
auch der 60jährige Geburtstag des bewährten Vorsitzenden Emil Klotz
gefeiert.
In
der Generalversammlung vom 14. August 1953 wurde dann als Vorstandschaft
gewählt: Josef Kasper, Karl Kaufmann, als Schriftführer Hör und als
Kassier Erich Schneider. In den einzelnen Jahresberichten kam die außerordentlich
große geschäftliche Arbeit zum Ausdruck, die von der Vorstandschaft und
vor allem vom Kassier Federer in den letzten Monaten geleistet werden mußte.
Die Vereinskasse war wieder in guter Ordnung.
Besser
als die 1. Mannschaft hat sich die 2. Garnitur durch die Verbandsspiele
geschlagen, denn diese konnte in ihrer Gruppe die Meisterschaft erringen.
Auch die Jugendspieler verdienten sich für gutes sportliches Können ein
besonderes Lob.
Immer
eifriger wurde der Plan zum Bau eines Clubhauses vorangetrieben. Unzählige
Sitzungen, Besprechungen, Briefe, Eingaben und Reisen liegen über diesem
Problem im Meere der jüngsten Vergangenheit. Stets kamen neue
Schwierigkeiten: da kein Geld, dort kein geeigneter Platz, Rücksichten
auf Bebauungsplane, massiver Bau oder Notbehelf, Unterkunft in einem
Wohnhaus oder Eigenheim und viele andere Fragen standen zur Lösung
bereit. Weit ist der Weg zu einem Umkleideraum beim Sportplatz der
Kreisstadt!
Mit
einem regen Spielbetrieb ging jedoch das Jahr seinen Lauf. Der um das
Vereinsleben so verdiente langjährige Vorsitzende Emil Klotz wurde zum
Ehrenpräsidenten berufen, anstelle des nach Freiburg versetzten Max
Dobler übernahm Josef Kasper die Betreuung der Jugend und am 13. März
1954 war im Bahnhof-Hotel wieder Generalversammlung.
Die
bisherige Vorstandschaft wurde in allen Ämtern neu bestätigt, was außerordentlich
erfreulich war. Um so mehr Zeit blieb an diesem Abend für die Aussprache
über den Bau des Clubhauses und mit tatkräftiger Initiative durch
Stadtrat Armbruster ging dieses Vorhaben einem sichtbaren Ziele entgegen.
Im Stadtrat wird jetzt auch mit Interesse an der notwendigen
Verwirklichung der Wünsche des Fußball-Clubs beraten und gearbeitet.
Anfang
August 1954 stimmte der Stadtrat dem Bau eines Clubhauses nach den Plänen
von Stadtbaumeister Spiegel zu und wenige Tage später gingen die Aktiven
mit Pickel und Schaufel an die Bauarbeiten. Wie schon so oft zeigten sich
jetzt auch wieder die Kameraden August Armbruster und Albert Lay als die
großen Helfer bei der Verwirklichung eines jahrelangen Wunsches aller Fußballfreunde.
Ihnen gilt an dieser Stelle der besondere Dank des ganzen Vereins. Ohne
diese Mithilfe hätten wir diesen ereignisreichen Tag nicht feiern können.
Bereits am 9. September 1954 wurde im Rößle das Richtfest gefeiert,
wobei an alle gedacht wurde, die in uneigennütziger Weise mitgeholfen
haben. Über die Wintermonate wurden noch verschiedene Außenarbeiten
erledigt und mit den Innenarbeiten begonnen. Viele Handwerker und Geschäftsleute
haben der sporttreibenden Jugend durch Spenden zu ihrem Clubhaus
verholfen, was hier lobend vermerkt sein soll.
Im
Laufe des Jahres wurde der Club auch wieder in das Vereinsregister
eingetragen, die Satzungen wurden durch den Geschäftsführer Wehrle neu
und zeitgemäß gefasst und in der Generalversammlung vom 19. Januar 1955
genehmigt.
In
dieser Versammlung übernahm Friseurmeister Karl Kaufmann das Amt des 1.
Vorsitzenden, da der bisherige Vereinsführer Kasper sich ausschließlich
der Betreuung der Jugend widmen will. Als 2. Vorsitzender und zugleich als
Geschäftsführer wurde Erich Wehrle vertrauensvoll gewählt. Die
1.Mannschaft unter dem Training von Albert Kech, konnte sich in den
Pokalspielen bis zum Endspiel durchringen. Das Endspiel selbst ging am 13.
Juni 1954 in Bad Dürrheim gegen den Meister der A-Klasse Mönchweiler
knapp mit 1 :2 verloren. In der verjüngten Mannschaft spielten: Sauer,
Thoma, Beha, Amann, Tritschler, Romann, Schneider II, Ficht, Schneider I
und Wehrle. In den Verbandsspielen reichte es der 1. Mannschaft zum 2.
Tabellenplatz. Die Jugend war in diesem Jahr 1954 wiederum eine in allen
Spielen siegreiche Mannschaft. Mit Mettmann, Senn, Straubinger, Kaiser,
Amann, Furtwängler, Tritschler, Rendler, Fehrenbach und Fürderer hat der
Club guten Nachwuchs.
Im
ununterbrochenen Kommen und Gehen der aktiven Spieler, das der Sportart
entsprechend in verhältnismäßig schnellem Tempo erfolgt, konnten nicht
alle bei Namen genannt werden, die einmal in den Reihen der Fußballer auf
dem grünen Rasen gestanden haben. Mit Absicht wurde keiner übergangen.
Das Fußballspiel ist ein Sport, dessen Ausübung in den aktiven
Mannschaften zeitlich begrenzt ist. Zu den langjährigen aktiven Spielern
gehört Albert Kech. Mit einer beispielhaften sportlichen Einstellung
steht er mit der größten Zahl der ausgetragenen Spiele an der Spitze
innerhalb des Clubs. Aber nicht nur als aktiver Sportler hat er zu
begeistern vermocht, sondern auch als Mittler zwischen Mannschaften und
Vereinsführung hat er immer gute aufbauende Arbeit geleistet.
Wie
ein Menschenleben, so ist auch der Lauf einer Vereinsgeschichte recht
wechselvoll und dies ganz besonders bei einem Fußball-Club. Immer steht
der Drang nach Vorwarts und Aufwärts da und dieser Ehrgeiz ist bestimmt
ein gesunder Kern auch für das berufliche Leben. Sportliche Erfolge können
nur auf dieser Grundeinstellung erarbeitet und errungen werden. Dass diese
Veranlagung beim FC Neustadt stets vorhanden war, dafür ist die
Entwicklung des Clubs der beste Zeuge.
Immer
wieder haben sich Leute gefunden, die dem Fußballsport aktiv oder
verwaltungsmäßig dienten, aber auch solche, die dem Verein in mancher
finanziellen Notlage durch Spenden und Stiftungen geholfen haben. Allen
ist hier zu danken. Jetzt ist auch in Neustadt das Fußballspiel zu einem
Volkssport geworden. Dass es so bleiben möge, ist der Wunsch aller
Freunde des Vereins an dem Tage der Einweihung des lange gewünschten
Clubhauses.

Clubhaus
FCN 1955

Der Clubhausneubau
hat mit den Einweihungsfeierlichkeiten in sportlicher Hinsicht ein
reichhaltiges Programm gebracht und war sicherlich für den Fußballsport
eine große Werbung. Die finanziellen Verluste wurden in Kurze
aufgefangen. In jenen Tagen hat man sich schon sehr eingehend mit der
Schaffung einer neuen Sportplatzanlage befasst und diese Frage in der
Presse vielfach diskutiert. Die Erkenntnis, das in der Kreisstadt Neustadt
ein modernes und zweckmäßiges Stadion geschaffen werden muss, war nicht
neu. Dagegen hat die Stadtverwaltung immer mehr auf die Verlegung der
Sportplatze aus städtebaulichen Gründen gedrängt. Die
Auseinandersetzungen der verschiedenen Interessengemeinschaften haben sich
Jahre hingezogen. Die Vereinsleitung des FC war nicht sonderlich an den Plänen
der Verlegung nach der Mexikanerwiese interessiert. Am 7. November 1957
trafen sich Gemeinderat und Sportvereine zu einem gemeinsamen Gespräch,
von dem man sich eine endgültige Klärung erhofft hatte. Die Meinungen
waren nach wie vor unterschiedlich. Die Schulen und der Turnverein standen
von Anfang an dem Sportplatzprojekt an der Mexikanerwiese nicht ablehnend
gegenüber. Aus guten Gründen hat aber der FC im Hinblick auf den langen
Anmarschweg nach wie vor erhebliche Bedenken angemeldet. Die spätere
Einigung wurde nicht zuletzt im Hinblick darauf erzielt, das sich die
Stadtverwaltung bereit erklärt hat, auf eigene Kosten zwei moderne Fußballplätze,
einen Hartplatz und einen Rasenplatz zu erstellen. In den Tagen des 50jährigen
Vereinsjubiläums ist das erste Spielfeld freigegeben worden. Der FCN wird
unter Berücksichtigung der Planungen im Hinblick auf das erstehende
Schulzentrum sicherlich seinen Sportplatz noch längere Zeit benützen können.

FC
Neustadt II im Jahre 1955
Mit
der Frage der Verlegung der Sportplatzanlagen kam gleichzeitig erstmals
der Gedanke eines Clubhausneubaues und hat die Gemüter in der
nachfolgenden Zeit heftig erregt. Es war das Ziel der Vereinsleitung des
FC, ein modernes, zweck- und zeitgemäßes Clubhaus zu erstellen. Der
erstmalige Kostenvoranschlag mit Gesamtaufwendungen von DM 120.000.-- hat
zu Hoffnungen berechtigt. Die Stadtverwaltung begrüßte die eigene
Initiative des FC freudig und hat die finanzielle Unterstützung in jedem
Falle zugesagt. Weitere Zuschüsse waren aus Totomitteln zu erwarten. Die
fortschreitende Teuerung hat erst in der jüngsten Vergangenheit bei der
erneuten Kostenberechnung des Projekts stark erhöhte Gesamtkosten des
Bauvorhabens erbracht. Bei einem Kostenaufwand von nahezu DM 300.000,--
war die finanzielle Kapazität des FC überschritten, sodass die
verantwortlichen Männer der Vereinsleitung gezwungen waren, in aller
Offenheit der Stadtverwaltung diesen Sachverhalt mitzuteilen. Dieser
bleibt es nunmehr vorbehalten, neben den Sportplatzanlagen Umkleideräume
und Brauseanlagen zu erstellen.
Mit
diesen vielseitigen und schwerwiegenden Problemen musste sich naturgemäß
die Vorstandschaft in den vergangenen Jahren eingehend befassen. Bei der Fülle
der Arbeit war es nicht verwunderlich, daß einzelne Vorstandsmitglieder
mit Rücksicht auf die berufliche Tätigkeit- oder aus gesundheitlichen Gründen
sich nicht mehr zur Verfügung stellen konnten. In der Generalversammlung
am 2. Februar 1957 wurde Franz Brunner mit der Führung des Clubs
beauftragt und Ernst Glöckler zum stellvertretenden Vorsitzenden berufen.
Zu diesem Zeitpunkt lag der Vorsitz des Vereins kommissarisch in den Händen
von Erich Wehrle, da der 1. Vorsitzende Karl Kaufmann am 6. Dezember 1956
aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abgegeben hatte. Die übrigen
Vorstandsmitglieder wurden sämtlich bestätigt. Im Juni 1958 haben
Mitglieder des FC Neustadt erstmals besondere Ehrungen durch den südbadischen
Fußballverband erfahren.
Emil
Klotz, Ernst Glöckler, August Armbruster und Josef Scherer wurden mit der
Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet.
Das Jahr 1958 brachte überhaupt für den Verein bedeutende
Ereignisse. Der Spielführer der 1. Mannschaft, Rudi Kiefer, der es in der
nur ihm eigenen Weise verstanden hat, die Mannschaft zu formen, zu
betreuen und zu führen, wurde am 11. August 1958 für das 500. Spiel in
der aktiven Mannschaft des FC Neustadt besonders geehrt. Nur wenige Wochen
später hat der verdiente Ehrenpräsident Emil Klotz Neustadt verlassen
und seinen Wohnsitz nach Freiburg verlegt. Sein Abschiedswort ,,Haltet den
Club in Ehren“ wird uns Vermächtnis bleiben. Am 21. Februar 1959 wurde
die Vorstandschaft des FC Neustadt im, wesentlichen bestätigt. Das Amt
des Geschäftsführers blieb unbesetzt; Erich Wehrle blieb weiterhin als
Beisitzer verantwortlich für den Club tätig. Bei der Generalversammlung
selbst konnte sich nach 10jähriger Tätigkeit der Vorsitzende des
Spielausschusses, Erich Hermann, nicht entschließen, sein Amt weiterzuführen.
Dass er später aus der inneren Verbundenheit mit dem Club die sportliche
Betreuung der Aktiven wieder übernahm, kennzeichnet seine ideelle
Einstellung.
Der
sportliche Aufstieg des Vereins in den vergangenen Jahren war nicht
zuletzt das Verdienst eines Mannes, der selbst in über 750 Spielen für
den Club tätig war. Trainer Albert Kech. Es war ein schwerer Verlust für
alle, als er nach Beendigung der Verbandsrunde im April 1959 sein Amt
niederlegte. Rudi Kiefer, der Mannschaftsführer, hat am 7. 5. 1959 seine
sportliche Laufbahn beendet. Es galt mit neuen Männern und neuen Helfern
das Erreichte fortzusetzen. Bimbo Binder, selbst aktiver Spieler jener
Zeit, hat sich bereitwillig für das Training der 1. Mannschaft zur Verfügung
gestellt, bis er später von dem Aktiven Hans Schneider abgelöst wurde.
Das
Jahr 1956 brachte für die 1. Mannschaft einen beachtlichen sportlichen
Erfolg, nachdem es ihr gelang, in hartem Kampf Meister der A-Klasse
Schwarzwald zu werden. Zugleich errang sie auch die Bezirksmeisterschaft.
Seit diesem Zeitpunkt spielt die 1. Mannschaft in der 2. Amateurliga und
hat in den folgenden Jahren gute vordere Plätze in der Staffel 3
erreicht.
Außerordentlich
gut hat sich die Ib Mannschaft im Spieljahr 1958/59 geschlagen. Sie errang
nicht nur in ihrer Staffel den 1. Platz, sondern erkämpfte sich sogar in
den Aufstiegsspielen den vordersten Rang. In diesen Spielen haben vor
allen Dingen Seniorspieler wie Berthold Schmutz und Franz Brunner
mitgewirkt. Auch hat damals Fritz Sauer, der die Fußballschube bereits an
den Nagel gehängt hatte, sich wieder zur Verfügung gestellt. Leider hat
sich dann aber die Ib Mannschaft in der A-Klasse nicht halten können, was
aber in erster Linie auf Spielerausfälle und auf die Beendigung der
sportlichen Tätigkeit der Senioren zurückzuführen war. Zum Spieljahr
1959 wurde auch erstmals eine dritte aktive Mannschaft ins Leben gerufen,
die es im ersten Spieljahr sehr schwer hatte, aber in der Folgezeit noch
in der C-Klasse einen ordentlichen Mittelplatz sich erspielen konnte. Bei
den Spielern der 3. Mannschaft darf vor allen Spielern Adolf Thoma genannt
werden, der mit über 40 Jahren noch treu und brav Sonntag für Sonntag
spielt und in seiner Spielanlage und Fairnis seinen Mitspielern Beispiel
ist.
Die
Generalversammlung im Monat März 1961 hat turnusmäßig entsprechend der
Vereinssatzung Neuwahlen der Vorstandschaft mit sich gebracht. Franz
Brunner wurde durch einstimmigen Beschluß weiterhin mit der Führung des
Clubs beauftragt. Der bisherige 2. Vorsitzende, Ernst Glöckler, der seit
mehr als 40 Jahren mit seinem Club verbunden war, bat um Entlastung. In
Anerkennung seiner großen Verdienste wurde er zum Ehrenbeirat ernannt. An
seine Stelle wurde von der Versammlung Herbert Hasenfus zum 2.
Vorsitzenden gewählt. Mit Bedauern musste zur Kenntnis genommen werden,
das der langjährige Jugendleiter, Engelbert Klemmer, nicht mehr
kandidierte. Seine Verdienste um den Aufbau der Jugend- und Schülerabteilung
sind hervorragend und werden unvergessen in die Vereinsgeschichte
eingehen. Engelbert Klemmer hat sich mit allem Idealismus und unter großen
Opfern zum Wohle des Clubs zur Verfügung gestellt. Wenn es um den
Nachwuchs für unsere aktiven Mannschaften aus den Reihen der Jugend außerordentlich
gut bestellt ist, dann bleibt dies sein Verdienst: Das Amt des
Jugendleiters übernahm Reinhold Höfler, selbst langjähriger aktiver Fußballer.
Engelbert Klemmer hat sich dem Verein mit der Übernahme des Amts des
Schriftführers weiterhin zur Verfugung gestellt, wahrend Karl Hör, der
dieses Amt bisher begleitet hatte, Hauptkassier wurde. Die Mitglieder des
Vereins konnten sich an jenem Tage dem Wunsche des langjährigen
Hauptkassiers Erwin Schneider, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen
zur Verfugung stellte, nicht verschließen. Erinnert man sich heute an die
Generalversammlungen der vergangenen Jahre, so wird man keinen Bericht
finden, in dem die hervorragende Kassenführung Erwin Schneiders nicht
besonders gebilligt wird. Was er für den Club bedeutet hat, und in seiner
heutigen Tätigkeit als Mitglied des Spielausschusses weiterhin bedeutet,
bedarf sicherlich keiner besonderen Erwähnung.
|
 |
| Franz Brunner, 1.
Vorstand |
In
diesen Tagen vollendet der FC Neustadt sein 50jähriges Bestehen. Seit dem
Jahre 1911 ist aus wenigen treuen Anhängern des Fußballsportes eine
stattliche Fußballfamilie geworden. Wie alle Vereine, alle
Gemeinschaften, hat auch der FC Neustadt Höhen und Tiefen des
Vereinslebens mitmachen müssen. Immer wieder waren es die treuen
Mitglieder unter Führung verdienstvoller Männer, die das Vereinsschiff
über alle Klippen steuern konnten. Die aufopfernde Arbeit und Tätigkeit
all derer, die in den vergangenen 53 Jahren im Interesse des FC
mitgeholfen haben, soll nicht geschmälert sein, wenn heute dem ersten
Vorsitzenden Franz Brunner besondere Anerkennung für seine überaus großen
Verdienste zuteil wird. Der Vereinsleitung wird es weiterhin Verpflichtung
sein müssen, den Worten unseres Ehrenpräsidenten Emil Klotz nachzueifern
und dem Sinne dieser Verpflichtung gerecht zu werden.
,,Haltet
den Club in Ehren"
Unsere
Jugend
von
Jugendleiter Reinhold Höfler
Die
Jugend gehört zum Fundament eines Sportvereins. In ihr sollen gute
Sportler und brauchbare Menschen reifen, die beim Sport und Spiel Freude,
Entspannung und Gesundheit finden und dabei lernen, einander zu achten und
in fairem Wettkampf gesteckte Ziele zu erreichen. Unsere Jugend soll
teilhaben am Fortschritt von heute, sie soll aber auch wissen, das es im
Sport wie sonst im Leben ohne Verzicht und ohne Fleiß keine Preise gibt,
und das eine Gemeinschaft nur bestehen und gedeihen kann, wenn sie schon
ihre Jugend mit tragen hilft.
Wir
wollen gerne versuchen, unsere Fußballjugend in diesem Sinne über Hohen
und Tiefen des Vereins zu leiten und danken namenlos allen, die in der
bisherigen Vereinsgeschichte geholfen haben, dieses bleibende Ziel
hochzuhalten. Unser besonderer Dank gilt aber unserem Vorstandsmitglied
Engelbert Klemmer, der die Jugend in den vergangenen vier Jahren mit großem
Verantwortungsgefühl, viel Mühe und Idealismus geleitet und ihr ein
neues Gesicht gegeben hat. Auch seinen Helfern Josef Thoma, Willi Lang und
Erich Stiegeler sowie den Jugendtrainern Helmuth Kromer, Adolf Thoma und
Gerhard Wehrle sagen wir herzlichen Dank. Nicht vergessen wollen wir auch
unsere Fußball-Mutti, Klärle Thoma, die ganz besonders für die Jugend
ein offenes Ohr hat, ihr immer hilft und für sie sorgt und fast bei
keinem Spiel der Jugend fehlt. Wir verbinden unseren herzlichen Dank an
Sie mit der Bitte, auch in den kommenden Jahren Mutti unserer ungestümen
Fußballjungens zu sein.
Die
aktiven Mannschaften erhalten nach Abschluss dieses Spieljahres wieder
guten Zuwachs aus der Jugend, und die Jugend selbst formt sich, wie in
jedem Jahre, neu.
Wir
spielen derzeit mit zwei Jugend- und zwei Schülermannasthaften und können
erfreut sagen, dass wir guten Nachwuchs haben. Unsere 1. und 2. Jugendmannschaft wurde
im Spieljahr 1960/61 jeweils Gruppensieger und auch die Schülerelf
erreichte, zum dritten Mal hintereinander, den ersten Platz. Die 2. Schülerelf
ist noch nicht so weit. Sie steht am Ende der Tabelle. Aber aller Anfang
ist schwer, und auch diese Jungens werden gewiss den Mut nicht sinken
lassen und weiterkommen.
Unsere
erste Jugendmannschaft steht in den Ausscheidungsspielen um die
Meisterschaft im Bezirk Schwarzwald und hofft, dieses Ziel, das sie neben
vielen anderen Erfolgen schon zweimal erreicht hat. auch in diesem Jahre
zu erreichen.
Die
Jugend des FCN dankt allen ihren Freunden und Helfern und insbesondere all
denen, die geholfen haben, unser Jugendpokalturnier am Samstag, dem 17.
Juni 1961, auszurichten.
Abteilung
Alte Herren
Anlässlich
des 50jährigen Jubiläums des Fußballclubs ist es wohl angebracht, auch
über die Abteilung der Alten Herren einige Worte zu sagen. Sind es doch
gerade die Alten, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Belange
des Fußballclubs in guten wie in schlechten Tagen immer vertreten haben.
Nennen wir von den Älteren nur einige, die zum Teil noch aktiv in der
Ah-Mannschaft spielen: Albert Lay, Josef Scherer, Josef Thoma, August Mösch,
Josef Kasper, Albert Kech, Heiner Federer, Karl Hor. In diesem Stamm sind
dann die nachrückenden Jahrgänge dazu gekommen: Hermann Bauer, Adolf
Thoma, Albert Bausch, Franz Brunner, Horst Fröse, Willy Gromann, Reinhold
Höfler, Wally Reuter, Johann Willmann, Josef Willmann und Gunter
Jaschinski (Spielführer).
Von
den letztgenannten mussten in den zurückliegenden zwei bis drei Jahren
immer noch einige in den aktiven Mannschaften aushelfen (bedingt durch
Verletzungen), sodass es leider nicht möglich war, einen geregelten
Spielbetrieb aufzuziehen. Trotzdem konnten in jedem Jahr 15 bis 20 Spiele
ausgetragen werden. Es waren einige namhafte Begegnungen, darunter mit in-
und ausländischen Vereinen. So mit dem FC Basel, dem FC Bern, den Old
Boys Basel, dem FC Freiburg, dem FV Bonn und anderen Clubs. Es bleibt
abschließend nur zu hoffen, das für die Zukunft wieder ein geregelter
Spielbetrieb durchgeführt werden kann, um den guten Ruf, den die AH sich
auf allen Platzen erworben hat, wieder herzustellen.
1.
Mannschaft FCN 1971

Weisch
no?
Fußball-Veteranen
erinnern sich
(Festschrift 75 Jahre FC
Neustadt - 1986)
"Weisch no?" - mit
diesen beiden Worten beginnen zumeist jene Erinnerungen an frühere
Fußballtage, die sich heute noch treue Anhänger und ehemalige Spieler des
FCN gern erzählen.
Da schwärmem die
Fußball-Veteranen von Zeiten, als 1000, 1200 und noch mehr Zuschauer die
Heimspiele des FCN auf dem Sportplatz hinter den Bauvereins-Häusern (heute
Schulzentrum) mitverfolgten. Weisch no?
Und als die Fußballfreunde
gleich nach dem Krieg auf dem Feld beim Café Wilde (heute Waldeck-Hochhaus)
kicken wollten, kam der Bauer angerannt und vertrieb sie mit der Sense.
Weisch no?
Unvergessen für die
Fußballer von damals: eine Fahrt mit dem Holzvergaser-Fahrzeug bei
strömendem Regen und ohne schützende Plane zu einem Auswärtsspiel an den
Bodensee. Weisch no?
Noch heute leuchten die Augen
jener ergrauten FC-Kicker, wenn sie an die "Großkämpfe" gegen
den Lokalrivalen Löffingen denken. Einmal rückten die Neustädter zu einem
Spiel im Baarstädtchen mit dem Traktor an. Weisch no?
Stärkung muß sein. Wer gut
kickt, wird auch belohnt. Nach Wildgutach hatte ein Sponsor die FC-Kicker
zum Rehessen eingeladen. Einer von ihnen aß gleich 17 Teller Nudelsuppe mit
Fleischeinlage, andere wiederum nahmen nur ganz wenig, weil sie möglichst
viel vom Reh haben wollten. Als die Suppenschüssel abgeräumt wurde, war
das Rehessen zu Ende. Das Rehfleisch war nämlich in der Suppe. Wohl dem der
17 Teller davon gegessen hatte. Weisch no?
Nicht immer waren die
Mahlzeiten so üppig. Erinnert sich ein Ex-Spieler: " Oft haben wir
nach dem Spiel die Butterbrote geteilt, damit jeder etwas hatte."
Weisch no?
Kurz vor der Währungsreform
spielte der FC-Elf am Bodensee und wollte nach dem Spiel noch in einer
Wirtschaft einkehren. Vorsorglich rief man dort an und fragte nach, ob es
möglich wäre, auch eine Suppe zu bekommen. Die Wirtin soll zugesagt haben,
aber nur dann, wenn jeder von den Spielern vier Kartoffeln mitbringt. Weisch
no?
August Schatton, Mitinitiator
des FC Neustadt, war stets um das Wohl der Mannschaft bemüht. Vor dem Spiel
bettelte er bei Bäckern und Metzgern um Brot und Würste, die er dann in
einen Korb verstaute und zu den Spielen mitbrachte. Weisch no?
Mit dem
"Hochfirst-Express", einem knatternden Lastwagen, sind die Kicker
vor dem Krieg ab und an zu Auswärtsspielen gereist. Einer erinnert sich,
daß sich plötzlich, nach einer Kurve, ein Hinterrad löste und das
Fahrzeug überholte. Weisch no?
Es gab Zeiten, da strickten
die Spielerfrauen und Bräute den FC-Mannen die Fußball-Ringelstrümpfe
selbst. Weisch no?
Eigenmächtig handelte vor dem
Krieg ein Neustädter Schiedsrichter, der ein Schuß aus 28 Meter Entfernung
ins Tor partout nicht anerkennen wollte. Weisch no?
Nach einem Sieg des FC
Neustadt in Triberg bestiegen die Kicker aus der Wälderstadt gut gelaunt
den Bus. Einer von ihnen drehte bei der Abfahrt das Fenster hinunter und
fragte jeden der auf dem Gehweg enttäuscht nach Hause laufenden Triberger
"Wie hat der FC Neustadt gespielt." Weisch no?

Alte
FCN´ler im Jahr 1958

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