C h r o n i k

 

Die Chronik des FC Neustadt (1911 – 1961)

Weisch no? (Begebenheiten aus dem Vereinsleben)    Alte FCN´ler     

So war der Anfang Im Jahre 1911 wurde in Neustadt/Schwarzwald der Fußball-Club gegründet. Die Hitze dieses Jahres mag die oft heißen Temperamente in den Verein gelegt haben, denen er auf seinem bisherigen Lebensweg ausgesetzt war. Aber die Ernte jenes Jahres war gut. Überall spricht man mit Achtung von dem, was damals geboren und gewachsen ist.

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges fehlen leider alle protokollarischen Unterlagen. Der Club war bei Beginn des Krieges erst drei Jahre alt, sein Ansehen und sein Inventar war jedenfalls nicht so wertvoll, als da8 sich jemand berufen fühlte, es für die Nachwelt als wichtig aufzubewahren. Die damaligen jungen Fußballspieler zogen fast ausnahmslos in den Krieg und manch einer kam nicht mehr zurück. Aber wer die Anfange des Fußballsportes in Neustadt mitmachte oder mithalf den Sport durch den Krieg in die Zukunft zu tragen, der hat heute noch eine gute Erinnerung an jene Zeit der unbeschwerten Jugend und deshalb wird dieser Abschnitt der Ruckschau mehr ansprechen und Interesse finden, als der spätere chronologische Ablauf der Vereinsgeschichte.

Die soziale und wirtschaftliche Struktur der gesamten Bevölkerung hat vorkriegszeitlich die Klassengegensatze viel scharfer in Erscheinung treten lassen, als dies heute der Fall ist. Wer damals in Neustadt Fußball spielte, konnte bestimmt nicht auf eine allzu große Achtung bei der ausgeprägt bürgerlichen Welt rechnen. Und doch kam dieser Sport aus den sogenannten ,,besseren Kreisen". An den Universitäten wurde Fußball gespielt. So kam es, das ein ehemaliger verkrachter Student, der in der Papierfabrik Hilfsarbeiter war, das Fußballspiel nach Neustadt brachte und wohl auch als treibende Kraft zur Gründung des Clubs anzusehen ist. Es war August Schatton. Er tänzelte und kickte lieber auf dem Sportplatz als auf dem Holzplatz der Fabrik. Viele Jahre war er in den Reihen des Vereins, auf vielen Fahrten und Festen. Es wäre unobjektiv und undankbar, wollte man seinen Namen hier mit Absicht vergessen. Im Zweiten Weltkrieg hat in Hüfingen sein Dasein geendet.

Aber die Jugend und der neue Sport gingen unbeirrt in die Zukunft, hinein in fröhliche und schlechte Tage. Der Anfang war schwer. Es ging auf und ab bis in die heutige Zeit. So wie das Spiel selbst sich von Minute zu Minute anders, so wechseln in der Vereinsgeschichte die Spieler, die Finanzen und der Vorstand. Es ist ein ewiges Kommen und Gehen. Und davon soll (über eine Strecke von 40 Jahren) berichtet werden.

Der Pavillon beim Schützenhaus war die Geburtsstätte des FC Neustadt. Als Geburtstag gilt der 30. Juli 1911. August Schatton hatte eine Anzahl junger Leute um sich, die sich für den neuen Sport begeisterten und Pläne schmiedeten. Als erste Anhänger nennt man den Sohn des Akzisers Kuch, dann Josef Bertram von der Insel, Fritz Marx, Leopold Isele, Emil Isele und Gustl Tröndle. Mannschaften mit je sechs Mann auf beiden Seiten waren bei dem damaligen Spielermangel oft üblich. Später übernahm der kaufmännische Angestellte Brenn, der Mann mit dem Vollbart und steifen Hut, die Leitung des Clubs. Dieser brachte dann auch Alfred Radatt von Freiburg herauf. Radatt kam aus einer Fußballfamilie, die mit sechs Brüdern allein eine pfunds Mannschaft aufstellen konnte. Der sportliche Betrieb hat sich dann auch lange Zeit stark mit den Freiburger Vereinen FFC, ,,Viktoria", ,,Germania", Sportclub, Spielvereinigung u. o. abgewickelt. 1912 stehen in der ersten Mannschaft: Adolf Benetz (Bademeister am Titisee), Leopold Isele, Emil Isele, Stefan Glocker, Albert Willmann, Paul Schelb (jetzt in Falkau), Johann Fix, Gustl Tröndle, H. Müller, Cöllesti Faton (ein Italiener) und noch ein Unbekannter. 5:3 ging das Spiel gegen ,,Viktoria" verloren. Immerhin noch ein anständiges Resultat im Verhältnis zu den 20 und mehr Verlusttoren gegen Saig, wo die Gebrüder Faller spielten oder gegen Bonndorf, wo Lehrer Walch eine ganz große internationale Kanone war. Die romanhaften Beine des Neustädter Torwartes Jos. Frei waren ein beliebtes Schussziel.  

Ein weinrotes Trikot mit einem grünen diagonalen Streifen waren die ersten sichtbaren Zeichen des jungen Vereins. In denselben Farben waren die Torstangen, die zu jedem Wett- und Trainingsspiel auf- und abmontiert werden mussten, damit sie aus lauter Begeisterung für den neuen Sport nicht zu einem Freudenfeuer Verwendung fanden. Es waren schon große Idealisten! Wer würde das heute noch machen, wo auch im Fußballsport allmächtige Starallüren Einzug halten? Aus eigenen, mühsam aus der Fabrik erarbeiteten Groschen wurden Bälle und die Trikots gekauft. Es gab keine Eintrittsgelder und keine edlen Spender, aber es gab sportliche Kameradschaft, die allein befähigt ist, daß ein sportlicher Verein auf gesunder Grundlage seinen eigentlichen Zweck erfüllen kann. Das Fußballspiel ist nun einmal ein Gesellschaftsspiel mit bestimmten internationalen Spielregeln. Mit diesen ,,Regeln" haben im neugegründeten FC Neustadt die ersten Schwierigkeiten schon angefangen. Wer heute aktiv Fußball spielt, wird wohl zu den Seltenheiten zählen, wenn er die ,,Regeln über das Fußballspiel" als kleines Büchlein schon einmal gesehen und gelesen hat. Das Wissen um den Sport ist heute Erbgut. Aber vor 40 und 50 Jahren hatte jeder Schiedsrichter und jeder Spielführer die Spielregeln in der Tasche und mit der Auslegung waren nicht immer alle einig. Heute zwar auch nicht, aber nachgelesen wird nicht mehr wahrend dem Spiel. Zum Fußballsport gehört auch ein geeigneter Platz. Die Maße waren in den Spielregeln in Länge und Breite vorgeschrieben mit einer schönen Zeichnung der notwendigen Markierungen. Für den jungen FC ein Traum und ein unlösbares Problem. Kein Grundbesitzer war Mitglied oder Anhänger des Vereins. Auf dem Gelände gegenüber der Güterhalle war der erste Fußballplatz. Schmal und kurz und die Fensterscheiben verdächtig nahe. Es hat oft geklirrt, aber die Scherben brachten kein Gluck, sondern Kosten und Unannehmlichkeiten. Der Platz wurde auf die Riese verlegt, da gab es wieder Strafzettel wegen dem Entfernen von Grenzsteinen, dann wurde gespielt bei der Schraubenfabrik, hinter der Papierfabrik. Auch keine ideale Anlage, denn die Wutach war neben dem Platz und der Ball schwamm oft munter davon. Im Schwärzenbach wurde auch schon gespielt und auf dem Feld, wo heute die Gärtnerei Götz liegt. Nirgends waren die Fußballer gern gesehene Gäste. Es war ein ,,Volk ohne Raum“. Der erste Weltkrieg konnte den Fußballsport nicht mehr lahm legen. Die ersten aktiven Spieler waren wohl im Felde, aber aus den früheren Schulbuben und Lehrlingen, die den Spielen 1911-1914 zusahen, wurden wieder Spieler. Die Realschule selbst hatte jeden Mittwoch Nachmittag auf dem Eisweiher Fußballspiel als Schulfach. Ludwig Morat und Adolf Happle waren meistens die gegenseitigen Spielführer und wählten abwechselnd aus dem Schulermaterial ihre Mannschaft. Gelbe und rote Armbinden waren die Erkennungszeichen. Diese Spiele waren interessanter als Französisch oder Mathematik, da hat keiner geschlafen. Im zweiten Kriegsjahr wurden die „Pfadfinder“ in das Leben gerufen, die auch wieder lieber Fußball spielten, als Kriegspfade zu suchen. Da war es Professor Emil Klein, der den jungen Menschen einen kompl. Sportdress mit blauweißem Trikot, schwarzen Hosen und einen neuen Ball stiftete. Das war eine stolze Sache. Auf einem Bild aus der damaligen Zeit sind die Spieler: Egon Faller, Hubert Mogel, Ludwig Morat, Alfred Morat, Fritz Koeßler, Adolf Happle, Ernst Glöckler, Karl Isele, Eugen Hämmerle und als Schiedsrichter August Schatton. Die meisten davon nahm der Krieg mit sich fort und am Ende war nicht mehr viel übrig. Aber Wettspiele wurden trotzdem immer wieder ausgetragen. Meistens in Saig, Freiburg und oft in Furtwangen auf der Rabenhöhe bei Schnee und Eis. Es lassen sich nicht alle Spieler hier namentlich auffuhren. Und das soll niemand verübeln. 

Nach dem Ersten Weltkrieg:

Als der Krieg zu Ende war und viele deutsche Soldaten durch die Strassen der Stadt heimwärts marschierten, war mancher Fußballer nicht mehr bei den Heimkehrern. Gefallen, verwundet oder gefangen war ein großer Teil der deutschen Jugend. Wir wollen all jene, die der unglückselige Krieg uns genommen hat, immer in dankbarer Erinnerung behalten. Bis Alfred Radatt wieder kam, waren schon zahlreiche Fußballer auf dem Eisweiher und wollten wieder einen Verein. Hier war es Johann Ebner, der die Leitung des Clubs übernahm. Der ,,Schützen" wurde Vereinslokal und in einer Sitzung vom 30. März 1919 wurde beschlossen, die blau-weißen Farben beizubehalten. Die Trikots der Pfadfinder wurden übernommen. „Blau und weiß] sind unsere Farben..." wurde begeisternd gesungen und sie sind es geblieben bis auf den heutigen Tag und sollen es auch weiter bleiben aus Tradition.

Das gesellige Leben in dem Club wurde wieder sehr lebendig. Verständlicherweise war nach dem Kriege alles lebenshungrig. Es sollte so manches nachgeholt werden. Ein Tanzkurs wurde abgehalten mit Arthur Keller als Tanzlehrer. Theater wurde gespielt mit Marmorgruppen, die abwechselnd rosa, grün, blau und violett artbeleuchtet wurden. Und wer wollte die Schattenspiele und Schattenbilder hinter dem dünnen Vorhang vergessen?

An alle Hinterbliebenen des Ersten Weltkrieges wurde eine gute Gedenktafel ausgehändigt, im Clublokal war eine große geschmackvolle Sammel-Urkunde. Für die Kriegsgefangenen wurden Spenden gegeben. Um diese Zeit muss Alfred Radatt zurückgekommen sein, denn sein Name erscheint wieder in den Sitzungsberichten. Es wurde beschlossen, dass anstelle der bisherigen freiwilligen Zuschauergebühren mindestens 20 Pfg. zu kassieren sind. Die Platzfrage drängte zu einer Lösung und durch Verhandlungen mit Stadtpfarrer Rinkenburger gelingt es, den Platz beim Cafe Wilde zu erhalten. Endlich ein annehmbares Gelände. Das muss gefeiert werden durch ein Sportfest, das auf den 26. Oktober 1919 geplant war. Zum ersten Male standen Tore mit rückseitigem Drahte da und die ewigen Streitereien über drin oder daneben hatten ein Ende. 3000 Festabzeichen wurden bestellt, Pokale gekauft, Fahnenmasten aufgestellt; denn über 20 Vereine von nah und fern hatten ihre Mannschaften angemeldet. Musikpodium und Bierstände waren da, aber niemand kam! Außer Furtwangen mit zwei Mannschaften auf einem Lastwagen. Zugsperre am Sonntag wegen Kohlenmangel. Die Gesichter wurden lang und das Fest war aus. Die Schulden blieben.  

Vorstandschaft: Alfred Radatt, Johann Ebner, Eugen Pfefferle, Ernst Glöckler, Albert Kirner, Jacob Rech
1. Mannschaft: Radatt, Blöckler, Mogel, Faller, Happle, Weber, Gebhart, Triepel, Müller Huber, Meier
2. Mannschaft: Cernie, Müller, Ruf, Fritz, Keller, Müller, Fuchs, Bösinger, Tröndle, Ebner, Glocker

Die sportlichen Umwälzungen griffen damals leider auch in die Sportvereine. Es wurde ein Sportclub gegründet und auch einen Fußball-Club ,,Phönix" hat es einmal gegeben. Der Spielerwechsel hin und her setzte ein. Es waren nicht immer die Besten, die dauernd wanderten. Auch heute noch nicht. Für den FC Neustadt war das eine gesunde Blutreinigung, denn erst jetzt beginnt der Aufstieg. Am Ende des Jahres 1920 hatte der Verein 336 eingeschriebene Mitglieder. Die Leichtathletik wurde sehr gepflegt mit Kugelstoßen, Speerwerfen, Weitsprung, Stafettenlauf, Langlauf, Fußballweitstoß und so fort. Dr. W. Stahl wurde ein eifriger Förderer des Vereins und mit ihm noch viele andere. Kronenwirt Karl Schillinger stand noch einmal ins Tor und verlor. Im Frühjahr 1920 tauchte der Gedanke der Vereinigung aller sporttreibenden Vereine in Neustadt auf. Als Vorsitzender der Gemeinschaft war Realschuldirektor Ganter tätig. Aber nicht lange. Jetzt begannen auch die regulären Verbandsspiele wieder. Adolf Happle war Spielführer und hat in diesem Jahr vierzehn Spiele um den Aufstieg in die A-Klasse mit seiner Mannschaft durchgeführt. Auf den Sportplatz beim Cafe Wilde erhielten nun mehrere Vereine eine Spielberechtigung, so dass dieser Zustand auf die Dauer unhaltbar war. Durch Pacht wurde ein geeignetes anschließendes Feld zu einer schönen geräumigen Anlage hergerichtet, auf dem der FCN nun unabhängig war. Die weggelaufenen Spieler wollten wieder kommen, was aber vielfach aus sportlichen Reinlichkeitsgründen abgelehnt wurde.  

Spiel FC Neustadt gegen eine Freiburger Mannschaft im Jahre 1920

Das Jahr 1921, mit dem 10jährigen Stiftungsfest, kann jetzt noch als Höhepunkt des Vereinslebens gelten. Hier kommt ein neuer Mann nach Neustadt und zur Mitarbeit im FC: Wilhelm Menges.

Mit einem großen Eifer hat er dem Fußballsport in Neustadt zu einem bisher ungeahnten Aufstieg verholfen. Achtung und Beliebtheit genoss er überall, auch Vertrauen bei den aktiven Spielern. Doch war sein Wirken leider nur allzu kurz. In den eifrigsten Arbeiten für das 10jährige Stiftungsfest wurde Wilhelm Menges durch einen plötzlichen Tod von dieser Welt abberufen, tief betrauert von seinen Freunden, die die Verpflichtung übernahmen, sein Grab auf dem hiesigen Friedhof zu pflegen. Trauerflor legten die aktiven Spieler ihm zu Ehren bei den kommenden Wettkämpfen an. Für den Verstorbenen kam sein Freund Bankvorstand W. Fischer in die Vereinsleitung. Die Zahl der Sitzungen vor dem auf den 19. Juni 1921 geplanten Stiftungsfest war recht groß. Auch das Geld wurde größer, die Kaufkraft kleiner, die Schwierigkeiten nahmen zu. Aber trotzdem wurde das Fest glänzend aufgezogen mit einem beneidenswerten Optimismus des 1.Vorstandes Radatt, der immer und für alles einen Ausweg fand. Hier zeigte sich sein einmaliges Vereinsgenie, wie es selten einem Menschen gegeben ist.

Am Sonntag vor dem Fest war Begrüßungsbankett. Alle Behördenvorstände und befreundeten Vereine brachten die Glückwünsche, bis spät in die Nacht. Am anderen Tag war eine Festesfreude wie noch nie. Um 5 Uhr früh krachten die Böller und schon um halb 7 Uhr begannen die ersten Fußballturniere und leichtathletischen Wettkämpfe. Die Stadt prangte im Flaggenschmuck, viele Festdamen belebten die Straßen und auf dem Rathausplatz war Promenadekonzert. In der Aufmachung war der Festzug ein Glanzstück jener Zeit. Bis spät in die Nachmittagsstunden dauerten die Ausscheidungskämpfe. Die Preisverteilung nahm der 2. Vorstand August Armbruster beim Cafe Wilde vor. Zahlreich und wertvoll waren die Preise, fast alle gingen für hervorragende Leistungen nach auswärts zu alten wohlbekannten Vereinen. Abends zeigten im Neustädter Hof die Athleten noch ihr Können, dabei ernteten der Gfellbauer von Schollach und der Blessingbauer großen Beifall. An diesem Abend wurde August SträßIer Ehrenmitglied des FCN. Seit Anfang war er einer der wenigen eifrigen Förderer des Vereins und hat aus mancher finanzieller Not geholfen. Bertin Schwörer hat in einer würdigen und feierlichen Art dem unermüdlichen Vereinsvorstand Alfred Radatt den Dank mit einer Ehrentafel abgestattet. Urkunden als verdiente Fußballer erhielten: Albert Glocker, Stefan Glocker, Albert Willmann, Franz Huber, Albert Kirner, Anton Isele, Emil Isele, Egon Steimer. Eine gewaltige Arbeitslast hatte der Schriftführer Fritz Buhler hinter sich. Auch die finanziellen Angelegenheiten gingen in Ordnung. An Einnahmen waren RM 9000.- zu verzeichnen.

Vorstandschaft 1921: Alfred Radatt, August Armbruster, F. Burkhart, Fritz Bühler,
Beisitzer: Dr. Stahl, v. Lojewski, Karl Schillinger, Leo Wilde, A. Sichler, A. Lemperle
Spielf. 1. Mannschaft: Adolf Happle
Spielf. 2. Mannschaft: Otto Janz
Spielf. 3. Mannschaft: Franz Rendler
1. Junioren: Karl Schirmayer

Mit der stetig wachsenden Inflation wurden die finanziellen Sorgen und Schwierigkeiten immer größer. Der Platz kostete 800.- Mark Miete, täglich stiegen die Eisenbahntarife. Bälle waren kaum zu erhalten. Fr. Quennet als Zeugwart hatte viel und undankbare Arbeit. Die Bälle mit Außennaht waren für Kopfbälle nicht sonderlich angenehm. In diese teuere Zeit fiel der Endkampf um die Gaumeisterschaft in Friedlingen am 22. April 1922 zwischen V.f.B. Waldshut und Neustadt. Der Sieger kam in die A-Klasse, das war ein lang erstrebtes Ziel der 1. Mannschaft. Aber Neustadt verlor 4 :2. Durch Neueinteilung der Spielbezirke stieg dann Neustadt aber doch auf.

Infolge Wegzugs des bisherigen guten Schriftführers Fritz Buhler wurde der Posten mit Eugen Pfefferle besetzt. Das Jahr 1922 war insofern noch wichtig, als der Bau eines kleinen Clubhauses beschlossen wurde. Die Finanzierung geschah auf verschiedene Weise und zwar durch eigene Arbeit, durch Lotterie, durch Anteilscheine. Die beste Art von allen blieb die Inflation. Das Clubhäuschen ging 1945 beim Einmarsch der Franzosen in Flammen auf. Wie gewonnen, so zerronnen! Im Mai 1922 wurde Paul Kocher Spielführer der 1.Mannschaft, der mit Ernst Mauch seine Spieler in einem strengen sportlichen Geist auf dem Platz zu sehen wünschte. Doch schon im Herbst schied er leider infolge Wegzug wieder aus. An seine Stelle kam Franz Huber und an aktiven Spielern waren um jene Zeit weiter vorhanden Max Mößner, Heinrich Wetzstein, Rene Bölle, Willi Stahl, Ad. Dengler, Emil Maier und die Gebrüder Faller von Saig. Im Frühjahr 1924 wurde Alfred Radatt zum ersten Male amtsmüde als Vorstand. Hauptlehrer Grimm sollte Vorstand werden, aber er lehnte ab und Radatt blieb in seinem gewohnten Revier. Doch am Anfang des folgenden Jahres kam doch eine neue Vereinsleitung mit Max Mößner, Karl Spiegelhalder, August Armbruster, Ad. Happle, Eugen Pfefferle, F. Kempf, Fred Schalk, Otto Gebhart und Leo Wilde. Außer dass eine Hockeymannschaft gegründet werden soll und ein Sieben-Hasenessen stattfand, hat der Schriftführer Aufzeichnungen über das ganze Jahr keine hinterlassen. Ernst Maier als Spielführer, bestritt mit seiner Mannschaft 32 Spiele mit gutem Erfolg.

In der Generalversammlung vom 3. März 1926 wurde Josef Steinhart 1.Vorstand des Vereins die übrigen Vorstandsmitglieder blieben im wesentlichen im Amte. Das Jahr war sehr arbeits- und erfolgreich. 28 Spiele wurden ausgetragen, davon gingen nur drei verloren. Zum 15jährigen Bestehen war in der Krone ein Unterhaltungsabend, wenig später wurde das Lustspiel ,,Das weiße Rössel“ aufgeführt und durch Josef Schalk zum wiederholten Male zu einem großen Erfolg gebracht. Auch in das folgende Jahr ging der Club mit der gleichen Vorstandschaft, als Schriftführer erscheint Pius Gutmann. Aber als Spieler in der 1.Mannschaft finden sich neue Namen. Die Fußballfamilie Happle war da, dann spielten Heugel, Kesselring, Aigeltinger, Maier, Janz, Wehrle, Bannholzer, Keller Ferdi, Thoma Th. und Beckert Franz. Eine Prachtmannschaft, die manchen Sieg errang. Auch Theater wurde wieder gespielt und zwar „Die Regimentstochter“. 1928 und 1929 war wieder eine neue Vorstandschaft da mit Ernst Glöckler, Hermann Zurn, Eugen Geisinger, Ad. Happle, Max Mößner, Gottfried Hall, Alfred Radatt und Karl Schillinger. Die Vereinstätigkeit wurde mehr auf den sportlichen Teil verlegt. Leider fehlt bei den Akten der Spielbericht. Auch die Finanzen werden durch Eugen Geisinger gut in Ordnung gehalten. Nach zwei weiteren Jahren wurde die Leitung des Clubs an L. Hornschuh weitergegeben und dann sind bis 1932 keine Aufzeichnungen im Protokollbuch mehr gemacht worden. Ein Lob für den damaligen Schriftführer kann nicht gegeben werden. In das Jahr 1931 fällt der Tod jenes Mannes, der aus der Geschichte des Fußball-Club Neustadt nicht wegzudenken ist. Alfred Radatt verunglückte mit dem Motorrad zwischen Titisee und Hölzlebruck und seine Freunde können ihm nur noch am offenen Grabe die Ehre der Trauer mit tiefem Schmerze entgegenbringen. Mit 39 Jahren hat ein Leben einen tragischen Abschluss gefunden, das in unzahlbaren Stunden sich uneigennützig in den Dienst der Öffentlichkeit stellte und seine besten Jahre dem Sport und vor allen Dingen dem FC Neustadt widmete. Aus kleinen und recht beschwerlichen Anfängen hat er den Fußball-Club bald nach der Gründung auf den Weg des Aufstieges gebracht. Sportliches Können und kameradschaftlicher Geist haben ihn besonders ausgezeichnet. Er kann und wird von allen Sportlern, die in seinen Lebenskreis traten, nicht vergessen werden.

In einer am 18. Januar 1932 abgehaltenen Generalversammlung wurde Kaufmann Emil Distel Vereinsvorstand und Wilhelm Hönig zweiter. Ferner erscheinen die altbewahrten Mitglieder Armbruster, Zürn, Happle, Kasper, Wetzstein wieder. Von jetzt an nimmt auch die zweite Mannschaft an den Verbandsspielen teil. Das Jahr 1933 brachte die "Gleichschaltungsversammlung“. Die bisherigen Vorstandsmitglieder konnten im Amte bleiben, aber wenig später gab es doch einschneidende Änderungen. Wilhelm Hönig übernahm in einer kritischen Situation die Leitung mit einem großen fußballtechnischen Können und als Mitarbeiter waren dabei Max Mößner, K. Heini, W. Stripp und Pius Gutmann.  

Der Weg zur Meisterschaft

Von diesem Zeitpunkt ab lag die Vereinsleitung mit Wilhelm Hönig an der Spitze in guten bewahrten Händen. Hermann Reich war Trainingsleiter und es wurde großer Wert auf einen soliden Sportbetrieb gelegt. Mit peinlicher Genauigkeit wurden die Mannschaften aufgestellt und in den fast wöchentlich stattfindenden Sitzungen wurde über die Spielart der absolvierten Wettkämpfe diskutiert. Es wurde eine fruchtbare Arbeit, die schließlich zu einem schönen Erfolg führte. Aus beruflicher Veranlassung gab nach 2 Jahren Arbeit der Schriftführer W. Stripp sein Amt ab, das von K. Heini übernommen wurde. Im Jahre 1935 errang die Jugend-Mannschaft zum ersten Male die Schwarzwald-Meisterschaft. Diese Jungens haben eine ganz respektable Leistung vollbracht. Kein Gegner konnte ihnen einen Punkt abjagen, Überall haben sie die Farben der Heimat würdig vertreten. Das Entscheidungsspiel in Donaueschingen endete 1 :O für Neustadt. Die Spieler wurden unter Spielführer Wolber mit Dosch, Weber, Götz, Schlaier, Fechti, Fath, Doser, Kech, Probst und Kirnberger in die Meisterschaftskämpfe geführt. Manche von diesen jungen Sportlern sind mit der Zeit in die erste Mannschaft aufgerückt.

In diese Zeit fallt auch eine der besten Berichterstattungen über die Spiele des FCN. Mit objektiver Sachlichkeit und solider Kenntnis der Fußballtechnik schilderte Wilhelm Hönig die Spiele, weckte dadurch das Interesse am Sport und vermehrte die Zuschauer zu beträchtlicher Zahl. Mit Spielführer Alfred Schalk hält die 1. Mannschaft gut zusammen. Aus der Fußballfamilie Scherer stehen vier Brüder auf dem Spielfeld, dazu Alb. Lay, Johann Dobler, Ed. Ritter, Anton Geisinger, Wiedemann, Albert Kech. Als Vorsitzender des Spielausschusses war H. Wetzstein im Amt. Damit reifte ohne Zweifel die beste sportliche Höchstleistung des Vereins heran. Alle Mannschaften waren auf einem hervorragenden spielerischen Stand. Um so befremdender muss es erscheinen, dass für die angesetzten und notwendigen Spielerversammlungen und Sitzungen bei den aktiven Sportlern so gut wie gar kein Interesse vorhanden war. Die Vereinsleitung hat darüber manches Klagelied ertönen lassen, aber es half nichts. Die Jugend war auf dem Sportplatz und am Tisch wurden Probleme und Systeme ausgeklügelt. Das Spieljahr 1935/36 war dennoch das schönste und erfolgreichste.  

Schwarzwaldmeister im Jahre 1936

Nach dem Sieg über Furtwangen mit 4:2 und gegen Hornberg mit 3 :1 wurde die 1. Mannschaft 1936 Schwarzwaldfußballmeister. Annähernd 100 Personen begleiteten die 1. Mannschaft zum Entscheidungsspiel nach Hornberg. So hat sich dann doch aus den kleinsten und bescheidensten Anfangen heraus der FC Neustadt durch viele beschwerliche Jahre zu sportlichen Ehren durchgekämpft und hat sich eine große treue Anhängerschaft erworben. Die entsprechende Meisterschaftsfeier fand am 2. April 1936 im "Bären“ statt.

Bald darauf fand die fällige Generalversammlung statt, die für 1936 folgende Kräfte in die Verwaltung des Clubs bestellte:  

1. Vorsitzender: W. Honig
2. Vorsitzender: Hermann Zürn  
Spielf. 1. Mannschaft: Alfred Schalk  
Spielf. 2. Mannschaft: K. Löffler  
Spielf. Jugend K. Wolber  
Ferner: Piu Gutmann, Max Mößner, K. Heini, E. Hermann, J. Fuchs, Josef Kasper, Hermann Reich, Adolf Happle, H. Wetzstein

Das Jahr 1937 sieht die 1. Mannschaft als Neuling in der Bezirksklasse, konnte dabei in schweren Spielen bei zehn Tabellenvereinen den 6. Platz erringen. Singen, Stockach, Konstanz, Villingen waren immer beachtliche Gegner. Einen ausführlichen Bericht über die großen Verbandsspiele hat Alfred Schalk im Protokollbuch wiedergegeben.

Auch die Generalversammlung am 22. Mai 1937 brachte Wilhelm Hönig wieder das einstimmige Vertrauen, schon als Dank für seine mustergültige Arbeit. Als Beisitzer kamen neu hinzu Willi Lessle, Kommissar Kech, Karl Schillinger, Eugen Lips und Otto Kaiser. Leider sollte das Jahr 1937 in spielerischer Hinsicht nicht zu den besten zählen. Durch Wegzug, Einberufungen und andere Umstände fiel die 1.Mannschaft ziemlich auseinander. Gleichlaufend stiegen damit auch wieder die finanziellen Schwierigkeiten. Auch das Jahr 1938 brachte keinen rechten Auftrieb mehr. Sitzung folgte auf Sitzung und nur mit aller Mühe konnten die Verbandsspiele absolviert werden. Heute sieht man klarer über die damaligen allgemeinen Verhältnisse. Das Interesse der Jugend wurde anderen Zwecken dienstbar gemacht und anderen Zielen zugelenkt. Immer näher kam der Krieg und das Vereinsleben hörte auf. Der Fußballplatz verwaiste und wurde ein Kartoffelacker. Unsere Sportler kämpften gegen den größten Gegner ihres Lebens - mit dem Tod. Viele kamen nicht wieder von dem gigantischen Kampfplatz. Aber keiner soll vergessen sein von jener großen Zahl, die ehrenvoll im Endkampf um Deutschlands Niederlage standen und dabei Leben und Gesundheit opferten.    

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Chronik befasst sich mit Absicht über die Jahre noch dem furchtbaren Krieg nur knapp. Der Abstand für eine geschichtliche Darstellung ist noch zu kurz und die Erinnerung an die Erlebnisse in persönlicher und sportlicher Hinsicht ist noch zu deutlich. Aber Dank gebührt doch all den Männern, die aus dem Chaos wieder den Glauben an ideale Werte fanden und den Sportbetrieb allmählich wieder in Gang brachten. Mit dem 7. Juli 1938 schließt Alfred Schalk im Protokollbuch seine guten Aufzeichnungen und fast auf den Tag genau erscheint nach acht Jahren erst wieder ein Lebensreichen des Clubs.

Nach Beendigung des Krieges mussten Traditionen untergehen. In der sportlichen Wiedergeburt kam in der Zusammenfassung aller Vereine die Sportvereinigung Neustadt zustande mit einzelnen Abteilungen für Turnen, Fußball, Tennis und Skilauf. Präsident wurde Bahnvorstand E. Klotz, die verschiedenen Sparten erhielten Abteilungsleiter. Es war ein napoleonisches Gebilde, das zusammenblieb so lange es musste. Die Gedanken zur Selbstständigkeit kamen aber nicht deshalb auf, weil es unter den Abteilungen Differenzen gegeben hatte, sondern weil der Aufbau der einzelnen Organisationen in die Breite ging mit verschiedenen Interessen. Josef Kasper hat in den Wirren dieser Zeit den Mut gehabt, die Leitung der Abteilung Fußball zu übernehmen. Und wieder sehen wir die alten, so oft bewahrten Fallballfreunde ihm zur Seite. Dazu kamen Straub, Hönig, Wiegelmann, Kech, Grether, Kaufmann und Herrmann. Es war eine mühsame Arbeit, den Sportbetrieb aus dem Nichts wieder in Gang zu bringen, es fanden mehr Sitzungen als Spiele statt. Erst die Versammlung am 21. Februar 1948 gab dem ganzen wieder einen Halt. An dieser Versammlung nahmen 74 Fußballfreunde teil.

Durch die Hungerjahre blieb der frühere Platz noch Kartoffelacker. Der jetzige Sportplatz hinter den Bauvereinshäusern wurde durch eigene Arbeit spielfähig gemacht, übrigens ein Platz, der seiner stadtnahen Lage und seiner schönen Ausmaße wegen ideal genannt werden darf. Leider fehlen dabei Umkleidehaus, Sitzgelegenheiten und Einzäunung. Die endgültige und für alle sporttreibenden Vereine befriedigende Lösung der Platzfrage wird künftig nicht leicht sein und in absehbarer Zeit auch nicht erfolgen. In der obengenannten Versammlung wurde der Verwaltungsapparat in allen nur denkbaren Posten besetzt. Die eigentliche Führung der Abteilung hatten Kasper, Wiegelmann, Weckesser, Straub, Schalk und Heini. Im Spielausschuss waren Hönig, Wetzstein, Straub und Gutmann, Jugendleiter war Kaufmann und Odenthal, Trainingsleiter wurde Schäfer und Kiefer, Ballwart Isele und Wolber. Mit dieser Besetzung lag alles in besten Händen, denen die Schwierigkeiten des Wiederaufbaues viel Arbeit abverlangte. Höhepunkte in sportlicher Hinsicht konnten nicht erwartet werden, aber das war in der ganzen Sportbewegung zu beobachten. Die Verbandsspiele waren dazu angetan, die Mannschaften zu sondieren und allmählich wieder mit jenen Gegnern zu paaren, zu denen sie nach dem jeweiligen Können auch gehörten. Die 1. Mannschaft wuchs über die kreiseigenen Vereine hinaus, denen die 2. Mannschaft ein achtbarer Gegner wurde. Auch die Jugendspiele waren erfolgreich. An aktivem Nachwuchs war kein Mangel.

Es konnten bereits namhafte Vereine der oberen Klassen zu Freundschaftsspielen verpflichtet werden, und zwar der VfB Neustadt (Weinstrasse), FC Tübingen, FC Bonn, die mit ihren kompletten Mannschaften antraten. Aus diesen Spielen konnte unsere 1.Mannschaft viel lernen und ehrenvoll abschneiden.

Am 5. Februar 1950 war in Neustadt eine Vereinsführertagung, auf der alle Vereine (mit Ausnahme von Titisee) vertreten waren und auf der der Bezirksobmann Huber aus Villingen die Wünsche und Klagen in reicher Fülle entgegennehmen durfte.

Zu den bestehenden Mannschaften hat sich dann auch wieder erfreulicherweise eine Ah-Mannschaft gesellt, die sportlich schöne Leistungen zu zeigen vermag und zudem auch die kameradschaftliche Seite sehr pflegt. Zu Freundschaftsspielen wurden Gegner mit bekannten Namen verpflichtet, darunter auch Schweizer Vereine.

Bevor es möglich ist, den Gang der Fußballgeschichte weiter zu tragen, ist es Pflicht, an Alfred Schalk zu denken, der aus dem Kriege mit erheblichen Verwundungen und Schaden an seiner Gesundheit in den Kreis seiner Kameraden zurückkehrte. Die Liebe und Treue zum Fußballsport hat ihn nie verlassen und noch einmal steht er mit den Resten seiner übriggebliebenen Meisterschaftself im Tor, um der Jugend ein Beispiel sportlicher Haltung zu geben. Doch sein Schicksal war der Tod in jungen Jahren. Am 14. November 1950 starb Alfred Schalk im städtischen Krankenhaus und seine Kameraden mussten am Grabe mit schwerem Herzen von ihrem ehemaligen Spielführer und Schriftführer Abschied nehmen in dem Bewusstsein, dass ein wertvoller Mensch aus ihren Reihen geschieden ist. Alfred Schalk wird in der Geschichte des FC Neustadt immer zu denen gehören, die in Ehren gehalten werden.

Die nimmermüde Zeit heilt nicht nur Wunden, sondern sie hat aus der Sportvereinigung Neustadt auch wieder einen selbständigen Turnverein, Fußballclub, einen Tennis-Club und einen Ski-Club werden lassen. Das war im Jahre 1950, also fünf Jahre nach Kriegsende. Als 1. Vorsitzender wurde der bisherige Präsident der Sportvereinigung E. Klotz gewählt, als 2. Vorsitzender Josef Kasper und als Spielausschussvorsitzender Wilhelm Hönig. Der alte Name FCN mit den alten blau-weißen Farben war wieder da. Ehrenvoll wurde er hinüber gerettet aus einer beschwerlichen Anfangszeit, durch Jahre furchtbarer Not in eine hoffentlich gute Zukunft.

Zur 700-Jahrfeier der Stadt Neustadt hatte der FC Neustadt Gäste aus Bern, die eine Jodlergruppe mitbrachten, welche im Festzug in ihrer heimatlichen Tracht aufmarschierte und begeisterten Beifall einheimste.

Das Jahr 1950/51 brachte für alle aktiven Spieler großen Sportbetrieb. Die 1. Mannschaft mit Sauer, Fröse, Jablonowski, Schaufler, Kech, Kiefer, Grether, Schäfer, Schneider, Spiegelhalder, Lang, Kasper, Tritschler, Dillmann, Rombach und Tiede standen in der Amateurliga in schweren Kämpfen und konnten einen annehmbaren Tabellenplatz behaupten.

Einen schöneren Ausblick in die Zukunft konnte der FCN in seinem Jubiläumsjahr nicht haben, als die Tatsache, dass die Jugendmannschaft Kreismeister für das Jahr 1951 geworden ist. Im Entscheidungsspiel gegen Löffingen haben die Jugendlichen Blank, Egner, Beha, Rihm, Stritt, Möbus, Keller, Schneider, Ficht, Kiefer und Preis den Meistertitel erkämpft und damit ein besonderes Lob verdient.

Auch die 1. Mannschaft hat zu der 40jährigen Geburtsfeier nach einen schönen spielerischen Erfolg auf den Gabentisch des Clubs zu legen. Bei dem am 15. Juli 1951 in St. Blasien stattgefundenen Sportwerbetag kam die 1.Mannschaft in den Besitz des wertvollen Wanderpokals. Pokalverteidiger war der FC Tiengen und am Tournier beteiligten sich neben Neustadt noch der FC Blumberg und SV St. Blasien. Vierzehn Tage später fand in Mönchweiler ein Pokalturnier statt, bei welchem die 1. Mannschaft als dritter Sieger geehrt wurde.

Die gespannte finanzielle Lage des Vereins brachte viele Sorgen und der Verbleib der ersten Mannschaft in der Amateurliga musste ernstlich beraten werden, was in einer mit 50 Personen besuchten Versammlung am 10. August 1951 im ,,Rössle“ geschah. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Termin für die fällige Generalversammlung auf den 17. August 1951 festgelegt. Nach mehr als fünf Jahren erfolgreicher Tätigkeit in der 1946 ins Leben gerufenen Sportvereinigung Neustadt und später des wieder gegründeten Fußball-Clubs trat Reichsbahnoberinspektor E. Klotz aus gesundheitlichen Gründen leider von seinem Vorstandsposten zurück.

In der durch Verhandlungen gut vorbereiteten Generalversammlung wurde im Zeichen sportlicher Kameradschaft Kreisoberinspektor Albrecht zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder blieben in der bisherigen Besetzung erfreulicherweise in den Ämtern, und zwar Josef Kasper als 2. Vorsitzender, Grether als Schriftführer, Kassierer blieb Straub, Spielausschussvorsitzender wiederum Hönig und sein bewährter Mitarbeiter Erich Hermann. In den Beirat kamen Klotz, Armbruster, Spiegelhalder, Schaufler, Lessle, Lay, Glöckler und Backes.

Somit begann wieder ein neues Jahr in der Geschichte des Vereins. Wenige Tage später wählten die Mannschaften die Spielführer und einstimmig durfte Rudi Kiefer das Vertrauen der ersten Mannschaft entgegennehmen.  

Der Spielbetrieb wurde im Jahre 1951 noch außerordentlich lebhaft, auch das gesellige Beisammensein nahm einen Aufschwung. So kamen die alten Sportfreunde ,,Old Boys“ aus Basel zu der AH zu einem Freundschaftsspiel und der Unterhaltungsabend im Hotel ,,Adler Post“ brachte für die vielen Teilnehmer reichlich Freude. Die ,,Alten Herren“ hatten in dieser Zeit einen guten Stamm zuverlässiger Spieler in Mösch, Klotz jun., Wolber, Limberger, Scherer II, Thoma, Federer, Doser, Scherer I, Hör und Isele, denen Pius Gutmann ein eifriger Betreuer war.

Unter der neuen Vereinsführung wurde das Problem einer zweckmäßigen Sportanlage energisch zu einer Lösung getrieben. Bald 30 Jahre wurde dieses Thema immer wieder aufgerollt und kam nie zu einem befriedigenden Abschluss. Es wurden für ein großes Stadion Platze ausgesucht und der Stadtrat suchte nach Geld. Aber es blieb beim guten Willen und bei den bisherigen Sportplätzen.

Im Oktober 1951 gab überraschend der Schriftführer Grether sein Amt ab und aushilfsweise führte E. Glöckler diese Geschäfte weiter. Das Geschäftsjahr 1951 war überhaupt reich an dramatischen Vorgängen. Der 2. Vorsitzende Kasper schied aus und mit anderen Vorstandsmitgliedern kündige auch der 1. Vorsitzende Albrecht seinen Rücktritt an.

Mit einer bedauerlichen Krise ging es dann am 26. Juli 1952 in die Generalversammlung. Es war nicht möglich, in dieser Versammlung die vollzählig zurückgetretene Vorstandschaft neu zu konstituieren. Schließlich wurde ein Verwaltungsausschuss gewählt, dem die Mitglieder Dobler, Klotz jun., Isele und Scherer Angehörten. In dieser bedenklich ausschauenden Verwaltungskrise wurde der FC Neustadt in Lenzkirch Pokalsieger. Der Verwaltungsausschuss ging ernstlich an seine Arbeit in dem Bewusstsein, dass der Verein schon manchen Sturm überlebt hat und auch den gegenwärtigen fußballfreudig bezwingen wird.

Schon am 9. August 1952 fand im Gasthaus zum ,,Bären" die außerordentliche Generalversammlung statt. Die alten Fußballkameraden standen in der Stunde der Not wieder zur Verfügung.

Mit erstaunlicher Mehrheit wurden gewählt:

1. Vorsitzender: Emil Klotz
2. Vorsitzender: Josef Kasper
Schriftführer: Ernst Glöckler
Hauptkassierer: Federer
Spielausschuß: Isele, Hermann und Scherer
Judendleiter: Dobler Max

Diese Vorstandschaft wurde vervollständigt mit Hör als stellvertr. Schriftführer, durch die Unterkassierer und durch die Beiräte Armbruster, Lay, Albrecht, Schaufler, Moder, Lessle, Spiegelhalder und Mößner.

Der Spielbetrieb für alle Mannschaften lief wieder auf vollen Touren. Spielführer der 1. Mannschaft wurde Adolf Beha, für die 2. Mannschaft Willmann, bei der Jugend Keller und die AH wählte Doser zum Kapitän. Das vom 2. Schriftführer gut geführte Protokollbuch berichtet von einer großen Zahl durchgeführter Spiele. In diesem Vereinsjahr wurde am 10. April 1953 auch der 60jährige Geburtstag des bewährten Vorsitzenden Emil Klotz gefeiert.

In der Generalversammlung vom 14. August 1953 wurde dann als Vorstandschaft gewählt: Josef Kasper, Karl Kaufmann, als Schriftführer Hör und als Kassier Erich Schneider. In den einzelnen Jahresberichten kam die außerordentlich große geschäftliche Arbeit zum Ausdruck, die von der Vorstandschaft und vor allem vom Kassier Federer in den letzten Monaten geleistet werden mußte. Die Vereinskasse war wieder in guter Ordnung.

Besser als die 1. Mannschaft hat sich die 2. Garnitur durch die Verbandsspiele geschlagen, denn diese konnte in ihrer Gruppe die Meisterschaft erringen. Auch die Jugendspieler verdienten sich für gutes sportliches Können ein besonderes Lob.

Immer eifriger wurde der Plan zum Bau eines Clubhauses vorangetrieben. Unzählige Sitzungen, Besprechungen, Briefe, Eingaben und Reisen liegen über diesem Problem im Meere der jüngsten Vergangenheit. Stets kamen neue Schwierigkeiten: da kein Geld, dort kein geeigneter Platz, Rücksichten auf Bebauungsplane, massiver Bau oder Notbehelf, Unterkunft in einem Wohnhaus oder Eigenheim und viele andere Fragen standen zur Lösung bereit. Weit ist der Weg zu einem Umkleideraum beim Sportplatz der Kreisstadt!

Mit einem regen Spielbetrieb ging jedoch das Jahr seinen Lauf. Der um das Vereinsleben so verdiente langjährige Vorsitzende Emil Klotz wurde zum Ehrenpräsidenten berufen, anstelle des nach Freiburg versetzten Max Dobler übernahm Josef Kasper die Betreuung der Jugend und am 13. März 1954 war im Bahnhof-Hotel wieder Generalversammlung.

Die bisherige Vorstandschaft wurde in allen Ämtern neu bestätigt, was außerordentlich erfreulich war. Um so mehr Zeit blieb an diesem Abend für die Aussprache über den Bau des Clubhauses und mit tatkräftiger Initiative durch Stadtrat Armbruster ging dieses Vorhaben einem sichtbaren Ziele entgegen. Im Stadtrat wird jetzt auch mit Interesse an der notwendigen Verwirklichung der Wünsche des Fußball-Clubs beraten und gearbeitet.

Anfang August 1954 stimmte der Stadtrat dem Bau eines Clubhauses nach den Plänen von Stadtbaumeister Spiegel zu und wenige Tage später gingen die Aktiven mit Pickel und Schaufel an die Bauarbeiten. Wie schon so oft zeigten sich jetzt auch wieder die Kameraden August Armbruster und Albert Lay als die großen Helfer bei der Verwirklichung eines jahrelangen Wunsches aller Fußballfreunde. Ihnen gilt an dieser Stelle der besondere Dank des ganzen Vereins. Ohne diese Mithilfe hätten wir diesen ereignisreichen Tag nicht feiern können. Bereits am 9. September 1954 wurde im Rößle das Richtfest gefeiert, wobei an alle gedacht wurde, die in uneigennütziger Weise mitgeholfen haben. Über die Wintermonate wurden noch verschiedene Außenarbeiten erledigt und mit den Innenarbeiten begonnen. Viele Handwerker und Geschäftsleute haben der sporttreibenden Jugend durch Spenden zu ihrem Clubhaus verholfen, was hier lobend vermerkt sein soll.

Im Laufe des Jahres wurde der Club auch wieder in das Vereinsregister eingetragen, die Satzungen wurden durch den Geschäftsführer Wehrle neu und zeitgemäß gefasst und in der Generalversammlung vom 19. Januar 1955 genehmigt.

In dieser Versammlung übernahm Friseurmeister Karl Kaufmann das Amt des 1. Vorsitzenden, da der bisherige Vereinsführer Kasper sich ausschließlich der Betreuung der Jugend widmen will. Als 2. Vorsitzender und zugleich als Geschäftsführer wurde Erich Wehrle vertrauensvoll gewählt. Die 1.Mannschaft unter dem Training von Albert Kech, konnte sich in den Pokalspielen bis zum Endspiel durchringen. Das Endspiel selbst ging am 13. Juni 1954 in Bad Dürrheim gegen den Meister der A-Klasse Mönchweiler knapp mit 1 :2 verloren. In der verjüngten Mannschaft spielten: Sauer, Thoma, Beha, Amann, Tritschler, Romann, Schneider II, Ficht, Schneider I und Wehrle. In den Verbandsspielen reichte es der 1. Mannschaft zum 2. Tabellenplatz. Die Jugend war in diesem Jahr 1954 wiederum eine in allen Spielen siegreiche Mannschaft. Mit Mettmann, Senn, Straubinger, Kaiser, Amann, Furtwängler, Tritschler, Rendler, Fehrenbach und Fürderer hat der Club guten Nachwuchs.

Im ununterbrochenen Kommen und Gehen der aktiven Spieler, das der Sportart entsprechend in verhältnismäßig schnellem Tempo erfolgt, konnten nicht alle bei Namen genannt werden, die einmal in den Reihen der Fußballer auf dem grünen Rasen gestanden haben. Mit Absicht wurde keiner übergangen. Das Fußballspiel ist ein Sport, dessen Ausübung in den aktiven Mannschaften zeitlich begrenzt ist. Zu den langjährigen aktiven Spielern gehört Albert Kech. Mit einer beispielhaften sportlichen Einstellung steht er mit der größten Zahl der ausgetragenen Spiele an der Spitze innerhalb des Clubs. Aber nicht nur als aktiver Sportler hat er zu begeistern vermocht, sondern auch als Mittler zwischen Mannschaften und Vereinsführung hat er immer gute aufbauende Arbeit geleistet.

Wie ein Menschenleben, so ist auch der Lauf einer Vereinsgeschichte recht wechselvoll und dies ganz besonders bei einem Fußball-Club. Immer steht der Drang nach Vorwarts und Aufwärts da und dieser Ehrgeiz ist bestimmt ein gesunder Kern auch für das berufliche Leben. Sportliche Erfolge können nur auf dieser Grundeinstellung erarbeitet und errungen werden. Dass diese Veranlagung beim FC Neustadt stets vorhanden war, dafür ist die Entwicklung des Clubs der beste Zeuge.  

Immer wieder haben sich Leute gefunden, die dem Fußballsport aktiv oder verwaltungsmäßig dienten, aber auch solche, die dem Verein in mancher finanziellen Notlage durch Spenden und Stiftungen geholfen haben. Allen ist hier zu danken. Jetzt ist auch in Neustadt das Fußballspiel zu einem Volkssport geworden. Dass es so bleiben möge, ist der Wunsch aller Freunde des Vereins an dem Tage der Einweihung des lange gewünschten Clubhauses.

Clubhaus FCN 1955

Der Clubhausneubau hat mit den Einweihungsfeierlichkeiten in sportlicher Hinsicht ein reichhaltiges Programm gebracht und war sicherlich für den Fußballsport eine große Werbung. Die finanziellen Verluste wurden in Kurze aufgefangen. In jenen Tagen hat man sich schon sehr eingehend mit der Schaffung einer neuen Sportplatzanlage befasst und diese Frage in der Presse vielfach diskutiert. Die Erkenntnis, das in der Kreisstadt Neustadt ein modernes und zweckmäßiges Stadion geschaffen werden muss, war nicht neu. Dagegen hat die Stadtverwaltung immer mehr auf die Verlegung der Sportplatze aus städtebaulichen Gründen gedrängt. Die Auseinandersetzungen der verschiedenen Interessengemeinschaften haben sich Jahre hingezogen. Die Vereinsleitung des FC war nicht sonderlich an den Plänen der Verlegung nach der Mexikanerwiese interessiert. Am 7. November 1957 trafen sich Gemeinderat und Sportvereine zu einem gemeinsamen Gespräch, von dem man sich eine endgültige Klärung erhofft hatte. Die Meinungen waren nach wie vor unterschiedlich. Die Schulen und der Turnverein standen von Anfang an dem Sportplatzprojekt an der Mexikanerwiese nicht ablehnend gegenüber. Aus guten Gründen hat aber der FC im Hinblick auf den langen Anmarschweg nach wie vor erhebliche Bedenken angemeldet. Die spätere Einigung wurde nicht zuletzt im Hinblick darauf erzielt, das sich die Stadtverwaltung bereit erklärt hat, auf eigene Kosten zwei moderne Fußballplätze, einen Hartplatz und einen Rasenplatz zu erstellen. In den Tagen des 50jährigen Vereinsjubiläums ist das erste Spielfeld freigegeben worden. Der FCN wird unter Berücksichtigung der Planungen im Hinblick auf das erstehende Schulzentrum sicherlich seinen Sportplatz noch längere Zeit benützen können.

FC Neustadt II im Jahre 1955

Mit der Frage der Verlegung der Sportplatzanlagen kam gleichzeitig erstmals der Gedanke eines Clubhausneubaues und hat die Gemüter in der nachfolgenden Zeit heftig erregt. Es war das Ziel der Vereinsleitung des FC, ein modernes, zweck- und zeitgemäßes Clubhaus zu erstellen. Der erstmalige Kostenvoranschlag mit Gesamtaufwendungen von DM 120.000.-- hat zu Hoffnungen berechtigt. Die Stadtverwaltung begrüßte die eigene Initiative des FC freudig und hat die finanzielle Unterstützung in jedem Falle zugesagt. Weitere Zuschüsse waren aus Totomitteln zu erwarten. Die fortschreitende Teuerung hat erst in der jüngsten Vergangenheit bei der erneuten Kostenberechnung des Projekts stark erhöhte Gesamtkosten des Bauvorhabens erbracht. Bei einem Kostenaufwand von nahezu DM 300.000,-- war die finanzielle Kapazität des FC überschritten, sodass die verantwortlichen Männer der Vereinsleitung gezwungen waren, in aller Offenheit der Stadtverwaltung diesen Sachverhalt mitzuteilen. Dieser bleibt es nunmehr vorbehalten, neben den Sportplatzanlagen Umkleideräume und Brauseanlagen zu erstellen.

Mit diesen vielseitigen und schwerwiegenden Problemen musste sich naturgemäß die Vorstandschaft in den vergangenen Jahren eingehend befassen. Bei der Fülle der Arbeit war es nicht verwunderlich, daß einzelne Vorstandsmitglieder mit Rücksicht auf die berufliche Tätigkeit- oder aus gesundheitlichen Gründen sich nicht mehr zur Verfügung stellen konnten. In der Generalversammlung am 2. Februar 1957 wurde Franz Brunner mit der Führung des Clubs beauftragt und Ernst Glöckler zum stellvertretenden Vorsitzenden berufen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Vorsitz des Vereins kommissarisch in den Händen von Erich Wehrle, da der 1. Vorsitzende Karl Kaufmann am 6. Dezember 1956 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abgegeben hatte. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden sämtlich bestätigt. Im Juni 1958 haben Mitglieder des FC Neustadt erstmals besondere Ehrungen durch den südbadischen Fußballverband erfahren.

Emil Klotz, Ernst Glöckler, August Armbruster und Josef Scherer wurden mit der Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet.  Das Jahr 1958 brachte überhaupt für den Verein bedeutende Ereignisse. Der Spielführer der 1. Mannschaft, Rudi Kiefer, der es in der nur ihm eigenen Weise verstanden hat, die Mannschaft zu formen, zu betreuen und zu führen, wurde am 11. August 1958 für das 500. Spiel in der aktiven Mannschaft des FC Neustadt besonders geehrt. Nur wenige Wochen später hat der verdiente Ehrenpräsident Emil Klotz Neustadt verlassen und seinen Wohnsitz nach Freiburg verlegt. Sein Abschiedswort ,,Haltet den Club in Ehren“ wird uns Vermächtnis bleiben. Am 21. Februar 1959 wurde die Vorstandschaft des FC Neustadt im, wesentlichen bestätigt. Das Amt des Geschäftsführers blieb unbesetzt; Erich Wehrle blieb weiterhin als Beisitzer verantwortlich für den Club tätig. Bei der Generalversammlung selbst konnte sich nach 10jähriger Tätigkeit der Vorsitzende des Spielausschusses, Erich Hermann, nicht entschließen, sein Amt weiterzuführen. Dass er später aus der inneren Verbundenheit mit dem Club die sportliche Betreuung der Aktiven wieder übernahm, kennzeichnet seine ideelle Einstellung.

Der sportliche Aufstieg des Vereins in den vergangenen Jahren war nicht zuletzt das Verdienst eines Mannes, der selbst in über 750 Spielen für den Club tätig war. Trainer Albert Kech. Es war ein schwerer Verlust für alle, als er nach Beendigung der Verbandsrunde im April 1959 sein Amt niederlegte. Rudi Kiefer, der Mannschaftsführer, hat am 7. 5. 1959 seine sportliche Laufbahn beendet. Es galt mit neuen Männern und neuen Helfern das Erreichte fortzusetzen. Bimbo Binder, selbst aktiver Spieler jener Zeit, hat sich bereitwillig für das Training der 1. Mannschaft zur Verfügung gestellt, bis er später von dem Aktiven Hans Schneider abgelöst wurde.

Das Jahr 1956 brachte für die 1. Mannschaft einen beachtlichen sportlichen Erfolg, nachdem es ihr gelang, in hartem Kampf Meister der A-Klasse Schwarzwald zu werden. Zugleich errang sie auch die Bezirksmeisterschaft. Seit diesem Zeitpunkt spielt die 1. Mannschaft in der 2. Amateurliga und hat in den folgenden Jahren gute vordere Plätze in der Staffel 3 erreicht.

Außerordentlich gut hat sich die Ib Mannschaft im Spieljahr 1958/59 geschlagen. Sie errang nicht nur in ihrer Staffel den 1. Platz, sondern erkämpfte sich sogar in den Aufstiegsspielen den vordersten Rang. In diesen Spielen haben vor allen Dingen Seniorspieler wie Berthold Schmutz und Franz Brunner mitgewirkt. Auch hat damals Fritz Sauer, der die Fußballschube bereits an den Nagel gehängt hatte, sich wieder zur Verfügung gestellt. Leider hat sich dann aber die Ib Mannschaft in der A-Klasse nicht halten können, was aber in erster Linie auf Spielerausfälle und auf die Beendigung der sportlichen Tätigkeit der Senioren zurückzuführen war. Zum Spieljahr 1959 wurde auch erstmals eine dritte aktive Mannschaft ins Leben gerufen, die es im ersten Spieljahr sehr schwer hatte, aber in der Folgezeit noch in der C-Klasse einen ordentlichen Mittelplatz sich erspielen konnte. Bei den Spielern der 3. Mannschaft darf vor allen Spielern Adolf Thoma genannt werden, der mit über 40 Jahren noch treu und brav Sonntag für Sonntag spielt und in seiner Spielanlage und Fairnis seinen Mitspielern Beispiel ist.

Die Generalversammlung im Monat März 1961 hat turnusmäßig entsprechend der Vereinssatzung Neuwahlen der Vorstandschaft mit sich gebracht. Franz Brunner wurde durch einstimmigen Beschluß weiterhin mit der Führung des Clubs beauftragt. Der bisherige 2. Vorsitzende, Ernst Glöckler, der seit mehr als 40 Jahren mit seinem Club verbunden war, bat um Entlastung. In Anerkennung seiner großen Verdienste wurde er zum Ehrenbeirat ernannt. An seine Stelle wurde von der Versammlung Herbert Hasenfus zum 2. Vorsitzenden gewählt. Mit Bedauern musste zur Kenntnis genommen werden, das der langjährige Jugendleiter, Engelbert Klemmer, nicht mehr kandidierte. Seine Verdienste um den Aufbau der Jugend- und Schülerabteilung sind hervorragend und werden unvergessen in die Vereinsgeschichte eingehen. Engelbert Klemmer hat sich mit allem Idealismus und unter großen Opfern zum Wohle des Clubs zur Verfügung gestellt. Wenn es um den Nachwuchs für unsere aktiven Mannschaften aus den Reihen der Jugend außerordentlich gut bestellt ist, dann bleibt dies sein Verdienst: Das Amt des Jugendleiters übernahm Reinhold Höfler, selbst langjähriger aktiver Fußballer. Engelbert Klemmer hat sich dem Verein mit der Übernahme des Amts des Schriftführers weiterhin zur Verfugung gestellt, wahrend Karl Hör, der dieses Amt bisher begleitet hatte, Hauptkassier wurde. Die Mitglieder des Vereins konnten sich an jenem Tage dem Wunsche des langjährigen Hauptkassiers Erwin Schneider, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfugung stellte, nicht verschließen. Erinnert man sich heute an die Generalversammlungen der vergangenen Jahre, so wird man keinen Bericht finden, in dem die hervorragende Kassenführung Erwin Schneiders nicht besonders gebilligt wird. Was er für den Club bedeutet hat, und in seiner heutigen Tätigkeit als Mitglied des Spielausschusses weiterhin bedeutet, bedarf sicherlich keiner besonderen Erwähnung.  

Franz Brunner, 1. Vorstand

In diesen Tagen vollendet der FC Neustadt sein 50jähriges Bestehen. Seit dem Jahre 1911 ist aus wenigen treuen Anhängern des Fußballsportes eine stattliche Fußballfamilie geworden. Wie alle Vereine, alle Gemeinschaften, hat auch der FC Neustadt Höhen und Tiefen des Vereinslebens mitmachen müssen. Immer wieder waren es die treuen Mitglieder unter Führung verdienstvoller Männer, die das Vereinsschiff über alle Klippen steuern konnten. Die aufopfernde Arbeit und Tätigkeit all derer, die in den vergangenen 53 Jahren im Interesse des FC mitgeholfen haben, soll nicht geschmälert sein, wenn heute dem ersten Vorsitzenden Franz Brunner besondere Anerkennung für seine überaus großen Verdienste zuteil wird. Der Vereinsleitung wird es weiterhin Verpflichtung sein müssen, den Worten unseres Ehrenpräsidenten Emil Klotz nachzueifern und dem Sinne dieser Verpflichtung gerecht zu werden.

,,Haltet den Club in Ehren"

Unsere Jugend

von Jugendleiter Reinhold Höfler

Die Jugend gehört zum Fundament eines Sportvereins. In ihr sollen gute Sportler und brauchbare Menschen reifen, die beim Sport und Spiel Freude, Entspannung und Gesundheit finden und dabei lernen, einander zu achten und in fairem Wettkampf gesteckte Ziele zu erreichen. Unsere Jugend soll teilhaben am Fortschritt von heute, sie soll aber auch wissen, das es im Sport wie sonst im Leben ohne Verzicht und ohne Fleiß keine Preise gibt, und das eine Gemeinschaft nur bestehen und gedeihen kann, wenn sie schon ihre Jugend mit tragen hilft.

Wir wollen gerne versuchen, unsere Fußballjugend in diesem Sinne über Hohen und Tiefen des Vereins zu leiten und danken namenlos allen, die in der bisherigen Vereinsgeschichte geholfen haben, dieses bleibende Ziel hochzuhalten. Unser besonderer Dank gilt aber unserem Vorstandsmitglied Engelbert Klemmer, der die Jugend in den vergangenen vier Jahren mit großem Verantwortungsgefühl, viel Mühe und Idealismus geleitet und ihr ein neues Gesicht gegeben hat. Auch seinen Helfern Josef Thoma, Willi Lang und Erich Stiegeler sowie den Jugendtrainern Helmuth Kromer, Adolf Thoma und Gerhard Wehrle sagen wir herzlichen Dank. Nicht vergessen wollen wir auch unsere Fußball-Mutti, Klärle Thoma, die ganz besonders für die Jugend ein offenes Ohr hat, ihr immer hilft und für sie sorgt und fast bei keinem Spiel der Jugend fehlt. Wir verbinden unseren herzlichen Dank an Sie mit der Bitte, auch in den kommenden Jahren Mutti unserer ungestümen Fußballjungens zu sein.

Die aktiven Mannschaften erhalten nach Abschluss dieses Spieljahres wieder guten Zuwachs aus der Jugend, und die Jugend selbst formt sich, wie in jedem Jahre, neu.

Wir spielen derzeit mit zwei Jugend- und zwei Schülermannasthaften und können erfreut sagen, dass wir guten Nachwuchs haben. Unsere 1. und 2. Jugendmannschaft wurde im Spieljahr 1960/61 jeweils Gruppensieger und auch die Schülerelf erreichte, zum dritten Mal hintereinander, den ersten Platz. Die 2. Schülerelf ist noch nicht so weit. Sie steht am Ende der Tabelle. Aber aller Anfang ist schwer, und auch diese Jungens werden gewiss den Mut nicht sinken lassen und weiterkommen.

Unsere erste Jugendmannschaft steht in den Ausscheidungsspielen um die Meisterschaft im Bezirk Schwarzwald und hofft, dieses Ziel, das sie neben vielen anderen Erfolgen schon zweimal erreicht hat. auch in diesem Jahre zu erreichen.

Die Jugend des FCN dankt allen ihren Freunden und Helfern und insbesondere all denen, die geholfen haben, unser Jugendpokalturnier am Samstag, dem 17. Juni 1961, auszurichten.

 

Abteilung Alte Herren

Anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Fußballclubs ist es wohl angebracht, auch über die Abteilung der Alten Herren einige Worte zu sagen. Sind es doch gerade die Alten, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Belange des Fußballclubs in guten wie in schlechten Tagen immer vertreten haben. Nennen wir von den Älteren nur einige, die zum Teil noch aktiv in der Ah-Mannschaft spielen: Albert Lay, Josef Scherer, Josef Thoma, August Mösch, Josef Kasper, Albert Kech, Heiner Federer, Karl Hor. In diesem Stamm sind dann die nachrückenden Jahrgänge dazu gekommen: Hermann Bauer, Adolf Thoma, Albert Bausch, Franz Brunner, Horst Fröse, Willy Gromann, Reinhold Höfler, Wally Reuter, Johann Willmann, Josef Willmann und Gunter Jaschinski (Spielführer).

Von den letztgenannten mussten in den zurückliegenden zwei bis drei Jahren immer noch einige in den aktiven Mannschaften aushelfen (bedingt durch Verletzungen), sodass es leider nicht möglich war, einen geregelten Spielbetrieb aufzuziehen. Trotzdem konnten in jedem Jahr 15 bis 20 Spiele ausgetragen werden. Es waren einige namhafte Begegnungen, darunter mit in- und ausländischen Vereinen. So mit dem FC Basel, dem FC Bern, den Old Boys Basel, dem FC Freiburg, dem FV Bonn und anderen Clubs. Es bleibt abschließend nur zu hoffen, das für die Zukunft wieder ein geregelter Spielbetrieb durchgeführt werden kann, um den guten Ruf, den die AH sich auf allen Platzen erworben hat, wieder herzustellen.

1. Mannschaft FCN 1971

Weisch no? 

Fußball-Veteranen erinnern sich

(Festschrift 75 Jahre FC Neustadt - 1986) 

"Weisch no?" - mit diesen beiden Worten beginnen zumeist jene Erinnerungen an frühere Fußballtage, die sich heute noch treue Anhänger und ehemalige Spieler des FCN gern erzählen.

Da schwärmem die Fußball-Veteranen von Zeiten, als 1000, 1200 und noch mehr Zuschauer die Heimspiele des FCN auf dem Sportplatz hinter den Bauvereins-Häusern (heute Schulzentrum) mitverfolgten. Weisch no?

Und als die Fußballfreunde gleich nach dem Krieg auf dem Feld beim Café Wilde (heute Waldeck-Hochhaus) kicken wollten, kam der Bauer angerannt und vertrieb sie mit der Sense. Weisch no?

Unvergessen für die Fußballer von damals: eine Fahrt mit dem Holzvergaser-Fahrzeug bei strömendem Regen und ohne schützende Plane zu einem Auswärtsspiel an den Bodensee. Weisch no?

Noch heute leuchten die Augen jener ergrauten FC-Kicker, wenn sie an die "Großkämpfe" gegen den Lokalrivalen Löffingen denken. Einmal rückten die Neustädter zu einem Spiel im Baarstädtchen mit dem Traktor an. Weisch no?

Stärkung muß sein. Wer gut kickt, wird auch belohnt. Nach Wildgutach hatte ein Sponsor die FC-Kicker zum Rehessen eingeladen. Einer von ihnen aß gleich 17 Teller Nudelsuppe mit Fleischeinlage, andere wiederum nahmen nur ganz wenig, weil sie möglichst viel vom Reh haben wollten. Als die Suppenschüssel abgeräumt wurde, war das Rehessen zu Ende. Das Rehfleisch war nämlich in der Suppe. Wohl dem der 17 Teller davon gegessen hatte. Weisch no?

Nicht immer waren die Mahlzeiten so üppig. Erinnert sich ein Ex-Spieler: " Oft haben wir nach dem Spiel die Butterbrote geteilt, damit jeder etwas hatte." Weisch no?

Kurz vor der Währungsreform spielte der FC-Elf am Bodensee und wollte nach dem Spiel noch in einer Wirtschaft einkehren. Vorsorglich rief man dort an und fragte nach, ob es möglich wäre, auch eine Suppe zu bekommen. Die Wirtin soll zugesagt haben, aber nur dann, wenn jeder von den Spielern vier Kartoffeln mitbringt. Weisch no?

August Schatton, Mitinitiator des FC Neustadt, war stets um das Wohl der Mannschaft bemüht. Vor dem Spiel bettelte er bei Bäckern und Metzgern um Brot und Würste, die er dann in einen Korb verstaute und zu den Spielen mitbrachte. Weisch no?

Mit dem "Hochfirst-Express", einem knatternden Lastwagen, sind die Kicker vor dem Krieg ab und an zu Auswärtsspielen gereist. Einer erinnert sich, daß sich plötzlich, nach einer Kurve, ein Hinterrad löste und das Fahrzeug überholte. Weisch no?

Es gab Zeiten, da strickten die Spielerfrauen und Bräute den FC-Mannen die Fußball-Ringelstrümpfe selbst. Weisch no?

Eigenmächtig handelte vor dem Krieg ein Neustädter Schiedsrichter, der ein Schuß aus 28 Meter Entfernung ins Tor partout nicht anerkennen wollte. Weisch no?

Nach einem Sieg des FC Neustadt in Triberg bestiegen die Kicker aus der Wälderstadt gut gelaunt den Bus. Einer von ihnen drehte bei der Abfahrt das Fenster hinunter und fragte jeden der auf dem Gehweg enttäuscht nach Hause laufenden Triberger "Wie hat der FC Neustadt gespielt." Weisch no?
 

Alte FCN´ler im Jahr 1958


 

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